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KIRCH-MEDIA-INSOLVENZ: Premiere geht wohlmöglich an Murdoch

Im Hause Kirch geht es jetzt vor allem um den »Pleitesender« Premiere. Der Pay-TV-Sender ist mit einem Minusgeschäft von fast einer Milliarde Euro Hauptursache für den Finanzkollaps der Kirch-Gruppe.

Nach dem Insolvenzantrag des Kirch-Kerngeschäfts KirchMedia rückt an diesem Dienstag die Zukunft des verlustreichen Bezahlfernsehens Premiere in den Vordergrund. Ein Insolvenzantrag der KirchPayTV gilt in Branchenkreisen als möglich. Schon am Montag stand er kurz bevor. In Unternehmenskreisen verlautete, am Ende werde es wohl in jedem Fall darauf hinauslaufen, dass Premiere mit 2,4 Millionen Abonnenten an Murdoch gehe. Allerdings sei noch unklar, ob Murdoch erst ein Insolvenzverfahren abwarten will, um sich dann die Mehrheit an Premiere zu sichern. Möglicherweise kauft Murdoch aber Premiere auch schon vor Eröffnung eines Insolvenzverfahrens.

Übertragung der Fußball-WM gesichert

Kirch hatte am Montag Insolvenz für die Kerngesellschaft KirchMedia beantragt. Die Gläubigerbanken und das neue Management wollen den Geschäftsbetrieb fortführen und die Gesellschaft als Ganzes zu erhalten. Sie sind zuversichtlich, einen Großteil der 5500 Arbeitsplätze erhalten zu können. Die Banken sind bereit, unter Umständen noch einmal eine Milliardensumme in die KirchMedia zu investieren und die Mehrheit zu übernehmen. Die Übertragungen der Fußball-Weltmeisterschaft und der Bundesliga sind nach ersten Angaben gesichert. Leo Kirch verabschiedete sich am Montagabend in einem Brief von seinen Mitarbeitern.

Premiere erwirtschaftete eine Milliarde Minus

An einer kleineren Beteiligung an Premiere könnten neben Murdoch auch US-Filmstudios interessiert sein, hieß es in Unternehmenskreisen. Kirch hatte mit den Studios umfangreiche Verträge über Filmrechte abgeschlossen. Die hohen Verluste des Bezahlsenders Premiere gelten als Hauptursache für die Krise im Hause Kirch. Premiere hatte 2001 Finanzverbindlichkeiten in Höhe von 962 Millionen Euro. Das operative Minus betrug im vergangenen Jahr ebenfalls fast eine Milliarde Euro.

Murdoch hält derzeit 22 Prozent an der KirchPayTV. Er hatte sich eine Option gesichert, diese Anteile im Herbst gegen Zahlung von etwa 1,7 Milliarden Euro zurückgeben zu können. Wegen dieser drohenden Option dürfte sich ohne Insolvenzverfahren ohnehin kein anderer Investor außer Murdoch für die Mehrheit an der KirchPayTV interessieren.