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Kirche verweigert Gelder: Weltbild-Verlag steht vor der Insolvenz

Deutschlands zweitgrößter Online-Buchhändler steht vor dem Aus: Der Weltbild-Verlag muss Insolvenz anmelden. Die Eigner konnten sich nicht auf eine Finanzierung des defizitären Unternehmens einigen.

Der angeschlagene Verlags- und Buchhandelskonzern Weltbild mit mehr als 6000 Beschäftigten hat am Freitag einen Insolvenz-Antrag gestellt. "Das ist richtig. Ich kann es nicht verneinen", sagte Weltbild-Chefsanierer Josef Schultheis am Freitag. Er bestätigte damit einen entsprechenden Bericht von "Handelsblatt online". Weltbild ist einer der zweitgrößte Online-Buchhändler in Deutschland - und somit größter Konkurrent des übermächtigen Online-Kaufhauses Amazon.

Wie es heißt, konnten sich die Eigner - die Bistümer der katholischen Kirche in Deutschland - nicht auf eine Finanzierung des defizitären Unternehmens einigen. Weltbild hatte das Tempo des digitalen Umbruchs in der Branche unterschätzt und von erheblichen Geldbedarf für einen Konzernumbau angemeldet. Schultheis war im November den Weltbild-Geschäftsführern Carel Halff und Martin Beer zur Seite gestellt worden, konnte die Insolvenz aber nicht verhindern.

Geschäfte sind nicht betroffen

Laut "Handelsblatt online" sollen die Handelsfilialen nicht von der Insolvenz betroffen sein. Dort arbeitet etwa die Hälfte der mehr als 6000 Mitarbeiter. Sie sind bei der Tochter DBH Buch Handels GmbH & Co. KG angestellt, die die klassischen Buchläden betreibt. DBH gehört zu gleichen Teilen Weltbild und der Buchhändlerfamilie Hugendubel und hat rund 420 Filialen in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Als Insolvenzverwalter soll die Kanzlei Schneider, Geiwitz & Partner das Verfahren abwickeln. Sie hatte auch die Pleite der Drogerieketten Schlecker verwaltet. Die Kanzlei äußerte sich nicht.

dho/Reuters/DPA/AFP / DPA / Reuters