HOME

Klage gegen Verkauf von T-Mobile USA: US-Regierung contra Deutsche Telekom

Entsetzen bei der Deutschen Telekom: Das amerikanische Justizministerium will den geplanten Verkauf der schwächelnden Tochter T-Mobile USA an AT&T verhindern. Die T-Aktie stürzte ab.

Der Milliarden-Verkauf der Telekom-Tochter T-Mobile USA an AT&T steht auf der Kippe. Das US-Justizministerium klagt gegen die Übernahme, wie am Mittwoch aus Gerichtsunterlagen ersichtlich wurde. Die Transaktion berge die Gefahr, dass ein bedeutender Anbieter aus dem Mobilfunkmarkt verschwinde, meint das Ministerium Die Telekom-Aktie brach daraufhin um gut acht Prozent ein.

Die Klage ist für die Telekom brisant, da das Ministerium zusammen mit der Regulierungsbehörde FCC grünes Licht für den Deal geben muss. Die FCC erklärte, noch keine Entscheidung getroffen zu haben. Das endgültige Urteil steht nach früheren Angaben in der ersten Jahreshälfte 2012 an.

Was die Regierung fürchtet

Da beide Unternehmen zusammen auf mindestens 97 der 100 wichtigsten US-Mobilfunkmärkte um Kunden werben, wäre eine Fusion schädlich für den Wettbewerb, erklärte das Ministerium in den Gerichtsunterlagen. Millionen von Kunden müssten sich auf höhere Preise einstellen. Wir versuchen, diesen Deal zu blockieren, um einen lebendigen und wettbewerbsintensiven Markt zu erhalten", sagte Vize-Justizminister James Cole. Genauso hatten in den vergangenen Monaten auch einflussreiche Politiker argumentiert, die im Wettbewerbsausschuss des US-Senats sitzen. Sie hatten sich an das Justizministerium und die US-Regulierungsbehörde FCC gewandt, die zuständig für eine Genehmigung der Übernahme sind.

Markführer bei den Mobilfunkanbietern in den USA ist zur Zeit Verizon, gefolgt von AT&T und Sprint. Mit dem Kauf von T-Mobile würde AT&T mit einem Marktanteil von knapp 40 Prozent zur Nummer eins aufsteigen.

Der frühere Telekom-Chef Ron Sommer hatte im Jahr 2000 die Expansion des Konzerns in den USA vorangetrieben. Für 50,7 Milliarden Dollar kauften die Bonner damals den US-Mobilfunk-Anbieter Voicestream. Doch die Investition erwies sich zunehmend als kostspielig. T-Mobile verlor ständig an Kunden.

Wie AT&T reagiert

Trotz des sich abzeichnenden Widerstands gegen die Übernahme durch AT&T hatte Telekom-Chef Rene Obermann sich auf der Hauptversammlung Mitte März noch zuversichtlich geäußert, den Verkauf 2012 abzuschließen. Er argumentierte, der Wettbewerb in den USA sei "äußerst intensiv"; in den meisten wichtigen Märkten dort könnten Kunden zwischen fünf und mehr Anbietern wählen.Für Obermann wäre ein Verbot der Fusion ein großer Rückschlag. Er will mit dem Verkauf ein langjähriges Sorgenkind loswerden, das zuletzt unter sinkenden Kundenzahlen litt.

AT&T kündigte an, die Entscheidung des US-Justizministeriums vor Gericht mit allen Mitteln anfechten zu wollen. Bei der Telekom war niemand für eine Stellungsnahme zu erreichen.

ben/Reuters / Reuters