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Köln verzichtet auf Steuerforderung: Neue Hoffnung auf Karstadt-Rettung

Mit dem Steuerverzicht der Stadt Köln ist eine wichtige Hürde bei der Bewältigung der Karstadt-Sanierung genommen. Bis Freitag muss nun die Entscheidung fallen, welcher der drei potentiellen Investoren den Zuschlag erhält - doch der Insolvenzverwalter bleibt skeptisch.

Wenige Tage vor dem Ende der Verkaufsfrist wächst die Hoffnung auf eine Rettung des zahlungsunfähigen Warenhauskonzerns Karstadt. Auch die Stadt Köln verzichtete am Dienstag auf mögliche Gewerbesteuereinnahmen aus der Sanierung des Unternehmens, wie ein Sprecher der Stadtverwaltung mitteilte. Die Entscheidung der Domstadt galt als letzte Hürde bei der steuerlichen Bewältigung der Karstadt-Sanierung.

Zugleich signalisierte die Gewerkschaft Verdi Sympathien für das am Freitag vorgelegte Kaufangebot des Investors Nicolas Berggruen und für eine mögliche Offerte des Immobilienfonds Highstreet. Beide Angebote erfüllten die Forderung der Gewerkschaft, nach einer mittel- und langfristigen Perspektive für Karstadt und nach einem Verzicht auf weitere massive Opfer der Belegschaft, sagte die stellvertretende Gewerkschaftsvorsitzende Margret Mönig-Raane. Eine klare Absage erteilte sie dem Angebot des dritten Investors Triton. Er verlange einen "Blanko-Scheck" für einen Stellenabbau, kritisierte Mönig-Raane.

"Das ist kein Selbstläufer"

Der Sprecher des Insolvenzverwalters Klaus Hubert Görg warnte allerdings vor voreiligem Optimismus. Alle bislang vorgelegten Angebote seien an Bedingungen geknüpft, sodass weitere Verhandlungen notwendig seien. "Das ist kein Selbstläufer", sagte Görgs Sprecher Thomas Schulz. In Bieterkreisen hieß es, wahrscheinlich werde bis zur letzten Minute gefeilscht werden. Die Verkaufsfrist für Karstadt läuft am Freitag ab.

Derzeit gibt es drei Interessenten für das Essener Traditionsunternehmen. Als erster Bieter hatte am 23. April die deutsch-skandinavische Investmentfirma Triton ihren Hut in den Ring geworfen. Allerdings verlangt Triton erhebliche weitere Zugeständnisse sowohl der Arbeitnehmer wie der Karstadt-Vermieter. Doch scheinen die Erfolgsaussichten gering. Denn der Gesprächsfaden zu Verdi ist abgerissen. Triton-Sprecher Max Hohenberg sagte, der Investor habe zwar weiter Interesse an einem Kauf von Karstadt, doch sei eine Übernahme nur bei Zugeständnissen der Beschäftigten denkbar. "Solange der Insolvenzvertrag in Stein gemeißelt dasteht, funktioniert unser Konzept nicht", betonte er.

Warten auf Highstreet

Als zweiter potenzieller Käufer hatte der Investor Nicolas Berggruen am vergangenen Freitag ein Angebot vorgelegt. Der Sohn des 2007 gestorbenen Kunstsammlers Heinz Berggruen erwartet nach Angaben eines Sprechers keine weiteren Zugeständnisse von den Arbeitnehmern. In Verhandlungen mit den Karstadt-Vermietern will er dagegen weitere Mietreduzierungen erreichen. Für die Sanierung der Warenhauskette will Berggruen mit einem großen Partner aus der Branche zusammenarbeiten, dessen Name aber zunächst geheimgehalten wurde.

Als potenzieller dritter Bieter gilt die Immobilien-Gruppe Highstreet, die sich mehrheitlich im Besitz der US-Bank Goldman Sachs befindet. Highstreet gehören 86 der 120 von Karstadt genutzten Immobilien. Das Unternehmen wolle vermeiden, dass die Gebäude bei einer Zerschlagung leerstehen, hieß es in Branchenkreisen. Für Highstreet sei es letztlich eine Frage der Mathematik. Wenn die Offerten von Berggruen und Triton den Vermietern nicht ausreichten, werde die Immobilien-Gruppe selbst ein Angebot vorlegen.

APN / APN