Kommentar Auf nach Amerika


Nein, dass die US-Notenbank der Finanzkrise tatenlos zusieht, kann niemand behaupten. Gigantische Liquiditätsspritzen, ein ungewöhnlicher Riesenkredit und eine monströse Zinssenkung. So geschuftet, wie in den vergangenen Tagen haben sie selten. Der Wirtschaft dürfte es dennoch nicht viel helfen. Aber den Touristen.
Von Dirk Benninghoff

Eine Zinssenkung um 75 Basispunkte. Wow! Dabei hatte die Notenbank Ferderal Reserve den Leitzins seit Mitte September bereits um 225 Punkte gesenkt. Nicht nur das. Vor wenigen Tagen hat die Fed den Banken eine Liquiditätsspritze von 100 Milliarden Dollar zugesichert - nicht die erste massive Hilfe der Währungshüter. Zudem gewährt die Notenbank jetzt auch Brokern Geld und der Großbank JP Morgan Chase einen 30-Milliarden-Dollar-Kredit, um Bear Stearns zu retten. Ruhe in den Markt haben all diese Dinge noch nicht gebracht. Im Gegenteil: Panik kennzeichnete den Start in die Osterwoche.

Und so wird wohl auch die Mega-Zinssenkung der US-Wirtschaft kaum aus dem Krisensumpf helfen. Zu verheerend sind die Auswirkungen der Hypothekenkrise, zu tief stecken die Banken, die für Amerika von immenser volkswirtschaftlicher Bedeutung sind, in der Klemme. Auf unfassbare 800 Milliarden Dollar werden die Schäden durch die Kreditkrise mittlerweile vom Internationalen Währungsfonds geschätzt - Tendenz steigend.

So sind Kredite knapp, und so sind niedrige Leitzinsen an sich ein richtiges Instrument, um gegenzuhalten. Jedoch: Davon hat die Federal Reserve bereits reichlich Gebrauch gemacht, ohne dass sie die Krise in den Griff bekam - eine Parallele zu den Aktionen der Jahre 2000 und 2001, als die Notenbank verzweifelt gegen die Folgen des Platzen der New-Economy-Blase ankämpfte, die Börse aber erst 2003 ihren Boden fand.

So werden auch jetzt die negativen Folgen des mächtigen Zinssprung überwiegen. Der Zinsrückstand auf Europa steigt, Dollaranlagen werden noch unattraktiver, das amerikanische Leistungsbilanzdefizit steigt und die US-Währung sinkt auf neue Tiefstwerte. Gewinner sind Touristen: Auf nach Amerika.


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