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Kommentar: BenQ zieht die Reißleine

Als Siemens-Chef Kleinfeld im Sommer 2005 die darbende Handysparte an den Elektrokonzern BenQ verschenkte und noch 350 Millionen Euro drauf legte, hagelte es Kritik. Ein Traditionsgeschäft einfach wegwerfen statt es zu sanieren?

Von Thomas Fromm

Inzwischen ist klar: Kleinfeld hatte damals genau richtig gehandelt. Seit der taiwanesische Elektromulti BenQ das Geschäft übernahm, stiegen die Verluste immer mehr - zuletzt erodierte der weltweite Marktanteil von 4,7 auf drei Prozent. Was Siemens nicht schaffte, schaffte auch BenQ nicht: Die Handysparte als erfolgreiche Weltmarkte zu etablieren.

Vollmundig hatte der Konzern in der Vergangenheit seine Versprechungen gemacht. Mal war es das Ziel eines weltweiten Marktanteils von zehn Prozent bis zum Jahre 2008; dann die versprochene Rückkehr in die schwarzen Zahlen bis zum Ende des Jahres - die markigen Ankündigungen des deutschen Spartenchefs Clemens Joos klingen heute eher zynisch.

Nun hat die Konzernzentrale in Taiwan die Reißleine gezogen und angekündigt, die deutsche Handytochter nicht länger zu alimentieren. Das heißt konkret: Sie schickt ihre deutsche Tochter mitten in die Insolvenz hinein. BenQ selbst wird das Geschäft mit Handys der Marke BenQ-Siemens aus Asien heraus fortsetzen.

Ambitionierter Plan gescheitert

Wie es mit dem deutschen Standort nun weiter geht, darüber kann man zurzeit nur spekulieren. Hoffnungen in der Belegschaft, dass ein anderer Handyhersteller die Werke übernehmen könnte, sind gerechtfertigt. Schon seit zwei Monaten soll mit der taiwanesischen Foxconn und dem US-Unternehmen Jabil über die BenQ-Fabriken in Europa und Asien verhandelt werden.

Doch noch ist es nicht so weit: Fürs Erste dürften die 1400 Beschäftigten in der Münchener Zentrale sowie die 1600 Mitarbeiter an den Produktionsstandorten in Bocholt und Kamp-Lintfort in der Luft hängen. Klar ist zurzeit nur eines: Der ambitionierte Plan eines deutsch-asiatischen Premiumhandy-Anbieters ist gescheitert.