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KONFLIKTFOLGEN: Die Gewalt im Nahen Osten ruiniert die Wirtschaft beider Seiten

Diese Zahlen schmerzen: Der Palästinenser-Aufstand, die Einberufung der Reservisten und der Soldaten-Lohn kostet Israel täglich bis zu drei Miollionen Euro - und Investitionen bleiben aus.

Die Gewalt im Nahen Osten lässt auch die Wirtschaft bluten. Schon in »normalen« Zeiten kostet der Palästinenser-Aufstand die Region nach israelischen Medienangaben bis zu eine Millionen Euro täglich. Die Einberufung von 20.000 Reservisten saugt zusätzlich zwei Millionen Euro am Tag aus Israels Wirtschaft, wie das Nationale Versicherungs-Instituts ausrechnete. Soldaten-Lohn und Ausrüstung belasten den Fiskus mit weiteren zwei Millionen Euro täglich. Auf palästinensischer Seite ist das Wirtschaftsleben seit dem Einmarsch der israelischen Truppen praktisch zusammengebrochen.

Hohe Arbeitslosigkeit

»Der gegenwärtige Konflikt bringt die israelische Wirtschaft in sehr ernste Probleme«, sagt Arie Arnon, Ökonomie-Professor an der Ben Gurion Universität in Beerschewa. »Die Stagnation der israelischen Wirtschaft, gar eine Rezession, wird nicht aufhören, wenn der Konflikt nicht endet.« Die Firmen investierten nicht mehr. Die Arbeitslosenquote ist im Vergleich zum Vorjahr von rund 8,5 Prozent auf mehr als 10 Prozent gestiegen. Der Schekel setzt seine Talfahrt gegenüber dem Dollar fort, und während der täglichen Selbstmord-Anschläge über Ostern stürzte der Aktienindex an der Tel Aviver Börse um 6,2 Prozent ab, so stark wie seit anderthalb Jahren nicht mehr.

Touristen bleiben aus

Auch die Touristen bleiben fern. Im Vergleich zum Vorjahr schrumpfte die Zahl der Ausländer, die Israel besuchen, auf ein Viertel, teilte der Gastronomie-Verband mit. Israelis reisen ebenfalls weniger. Die Hotel-Branche kündigte an, nach Ostern 2000 Mitarbeiter zu entlassen. Die einzige Berufsgruppe mit guten Aussichten ist derzeit das Wachpersonal. Alleine die Hotels suchen 500 Personen, welche die Kunden am Eingang nach Sprengstoff und Waffen absuchen. Selbst kleine Gaststätten müssen neuerdings Wächter an den Eingängen postieren. Da die Kunden aus Angst vor Anschlägen in den vergangenen Tagen trotzdem ausgeblieben sind, sehen viele Gastronomen harten Zeiten entgegen.

Auch Wiederaufbau kostet

Langfristig ist der Schaden noch viel größer, meint Arnon. »Israel wird für die Palästinenser-Gebiete ein Wiederaufbau-Programm in großem Stil auf die Beine stellen müssen.« Die Autonomie-Behörde, die für drei Millionen Palästinenser verantwortlich ist, existiert faktisch nicht mehr. Eine Million Palästinenser leben von Gehältern des öffentlichen Dienstes und sind derzeit praktisch ohne Einkommen.

Einkommen sinkt

Auch die Araber in Ost-Jerusalem, die sich frei bewegen können, haben es oft schwer, sich mit Gelegenheitsjobs durchzuschlagen. »Die Juden wollen nicht mit uns fahren«, sagt der Taxifahrer Amer Hajawi (25). »Die jüdischen Fahrer sind dauernd beschäftigt, aber wir warten fünf bis sechs Stunden auf einen Kunden.« Hajawi verdient im Monat rund 500 Schekel (etwa 125 Euro). Noch bis vor einem halben Jahr arbeitete er in einem internationalen Hotel in West-Jerusalem, bis es dicht machte. »Damals war alles gut«, sagt Hajawi. »Jeden Monat brachte ich 3.000 Schekel nach Hause.«

Handel und Gewerbe leidet

Die Gewalt hat auch den Handel zwischen Israelis und Arabern im Westjordanland abgeschnitten. »Früher sind wir immer die paar Kilometer ins Westjordanland gefahren, um unsere Autos reparieren zu lassen, weil es dort billiger war«, meint ein jüdischer Taxifahrer in Tel Aviv. Jetzt warten die Mechaniker dort vergeblich auf Arbeit. Während die meisten Palästinenser wegen der kriegsähnlichen Zustände ihrem Gewerbe nicht mehr nachgehen können, meiden viele Juden aus Angst vor Anschlägen die Geschäfte. Den Israelis bleibt allerdings der Ausweg in die virtuelle Welt. Über Ostern haben die großen Internet-Anbieter einen außergewöhnlichen Anstieg an Einkäufen per Mausklick festgestellt.

Carsten Wieland