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Konjunktur: Verbraucher lassen Händler weiter zappeln

Die Kauflust der Deutschen kommt nicht in Schwung. Zwar erwarten die meisten steigende Löhne, aber die Nachwehen der US-Hypothekenkrise und steigende Lebensmittel- und Energiepreise vergällen den Deutschen ausgedehnte Shopping-Touren.

Die deutschen Verbraucher sind offenbar noch nicht bereit, die Kassen der Einzelhändler wie erhofft klingeln lassen. Die überraschend zuversichtliche Stimmung der Einzelhändler gut ein Jahr nach den massiven Belastungen durch die Mehrwertsteuererhöhung wurde durch die jüngsten Daten der Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung damit nicht bestätigt: Das GfK-Konsumklima, das als wichtiger Indikator für den privaten Konsum gilt, verharrte nach Angaben vom Mittwoch für März bei 4,5 Punkten. De facto hat sich die Stimmung der Verbraucher damit seit dem Herbst kaum verbessert - sie verharrt vielmehr auf niedrigem Niveau. Dabei setzen Politik und Konjunkturforscher in diesem Jahr besonders auf die Kauflaune der Deutschen, die den Aufschwung tragen soll. Der Einzelhandelsverband HDE warnte die Politik vor neuen Belastungen für die Bürger.

Verbraucher sorgen sich wieder um ihr Kaufkraft

Die Ergebnisse der monatlichen GfK-Umfrage lieferte widersprüchliche Ergebnisse. Zwar setzen die Verbraucher wegen erhoffter höherer Tarifabschlüsse auf steigende Einkommen. Allerdings sorgen sie sich gleichzeitig um ihre Kaufkraft, da Energie und Lebensmittel weiter teuer sind. Obwohl in Zukunft unter dem Strich mehr Geld im Portemonnaie sein dürfte, planen die Verbraucher zudem kaum größere Anschaffungen.

"Der Verbraucher ist oftmals sehr schwer zu durchschauen", sagte GfK-Experte Rolf Bürkl im Gespräch mit Reuters. "Die verhaltenen positiven Signale der Vormonate sind damit erst einmal wieder Makulatur", so die GfK. Nicht zuletzt wegen der weltweiten Finanzkrise und Negativ-Schlagzeilen auch über deutsche Banken ist die Erwartung der Menschen an die konjunkturelle Entwicklung nun wieder so verhalten wie zuletzt Ende 2006.

Angst vor Jobverlust

Eigentlich sollte die andauernde Erholung auf dem Arbeitsmarkt sowie satte Tarifabschlüsse wie zuletzt in der Stahlbranche für steigende Kauflaune sorgen. Wie die GfK-Umfrage ergab, rechneten die Verbraucher zuletzt aber sogar wieder mit steigender Arbeitslosigkeit. "Da ist sicher Nokia mit reingelaufen", sagte Bürkl. Der finnische Handyhersteller hat wie viele andere Großunternehmen jüngst angekündigt, massiv Stellen in Deutschland abzubauen. Auch bei Siemens, Henkel oder der Pin AG steht ein Personalabbau an. "Selbst wenn die Leute persönlich nicht unmittelbar betroffen sind, entsteht eine Angst vor Arbeitslosigkeit - der Gedanke, das könnte mich auch treffen", so Bürkl. "Für die Konsumstimmung ist das kontraproduktiv."

Der Einzelhandelsverband HDE bleibt vorerst zuversichtlich für 2008, sofern für die Verbraucher keine neuen Belastungen anstehen. "Nokia und andere, das sind Einzelbeispiele. Per Saldo wird ja Beschäftigung aufgebaut", sagte HDE-Sprecher Hubertus Pellengahr. "Vor allem der Mittelstand ist Jobmotor." Allerdings seien die Konsumenten sehr sensibel und empfindlich für "Störungen". Pellengahr warnte zudem davor, die GfK-Ergebnisse überzubewerten. "Die GfK befragt die Konsumenten, das Ifo-Institut die Unternehmen." Das Münchener Ifo-Institut ermittelte zuletzt einen überraschenden Stimmungswechsel bei den Einzelhändlern: Sie zeigten sich zuletzt so zuversichtlich wie seit Sommer 1996 nicht mehr und verstärkten damit die Hoffnungen auf ein baldiges Ende der Konsumflaute.

Wie sich der Einzelhandel nach einem schwachen Endspurt 2007 im Januar tatsächlich geschlagen hat, werden die Umsatzzahlen am Freitag zeigen. Der HDE hofft, das schwache Vorjahresniveau übertreffen zu können. Vor einem Jahr waren die Geschäfte wegen der Erhöhung der Mehrwertsteuer deutlich eingebrochen.

Kerstin Schraff/Reuters/spi / Reuters
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