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Konjunkturprognose 2009: Ökonomen rechnen mit Rekord-Einbruch

Das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) prognostiziert für die deutsche Wirtschaft die schlimmste Krise seit mehr als 50 Jahren. Die Kieler Ökonomen rechnen für 2009 mit einem Konjunktureinbruch von 2,7 Prozent. Insbesondere die Exportaussichten beurteilen sie düster wie nie.

Deutschland steht nach Ansicht des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) vor der schlimmsten Wirtschaftskrise seit mehr als 50 Jahren. "Deutschland steht vermutlich vor der schwersten Rezession in der Nachkriegszeit", schreiben die Kieler Ökonomen in ihrer jüngsten Prognose. Das IfW rechnet für 2009 demnach mit einem Konjunktureinbruch von 2,7 Prozent. Bisher erwarteten die Wirtschaftsforscher noch ein Wachstum von 0,2 Prozent. Das Minus wäre damit dreimal so groß wie im bisher schlechtesten Wirtschaftsjahr in der Geschichte der Bundesrepublik: 1975 ging das Bruttoinlandsprodukt um 0,9 Prozent zurück.

Im Jahr 2010 soll die deutsche Wirtschaft nach Einschätzung der Kieler Forscher aber wieder auf Wachstumskurs zurückschwenken und um 0,3 Prozent zulegen. In der aktuellen Konjunkturkrise überbieten sich derzeit die Institute mit Negativ-Prognosen. Minus 1,9 Prozent sagte das Institut für Wirtschaftsforschung Halle voraus, minus 2,2 Prozent prognostizierte das Münchener ifo-Institut, minus 2 Prozent das RWI.

Produktionsstopps bremsen Wirtschaft

Das Ifw nennt eine Reihe von Gründen für ihren extrem pessimistischen Ausblick: Die Forscher verweisen auf die Produktionsstopps mehrerer Großunternehmen, wie der Autoindustrie, die weit in das Jahr 2009 hineinreichen. Im Herbst dürfte die Wirtschaft um 4,5 Prozent geschrumpft sein, für den Jahresauftakt 2009 erwarten die Experten sogar ein Minus von 5,0 Prozent. Auch im weiteren Jahresverlauf werde die Produktion in der Tendenz sinken, auch wenn es zeitweise leichte Anstiege geben werde, wenn die großen Unternehmen ihre Fabriken wieder in Betrieb nähmen.

Auch die Stimmungsumfragen unter den Firmen seien kräftig eingebrochen. Und die Exporterwartungen lägen in der Nähe historischer Tiefstände, erklärt das IfW: "Für das Jahr 2009 erwarten wir einen Rückgang der realen Exporte um 8,9 Prozent; für das Jahr 2010 ist mit einer leicht positiven Rate (2,6 Prozent) zu rechnen." Hoffnung macht den Kieler Wirtschaftsforschern die Inlandsnachfrage: "Von der Binnennachfrage werden im Prognosezeitraum alles in allem stabilisierende Wirkungen auf die Konjunktur ausgehen", heißt es. Steuerentlastungen und die gesunkenen Energiepreise kämen den Verbrauchern zugute, sagt das IfW.

3,9 Millionen Arbeitslose im Jahr 2010

Sorgen macht dem IfW die Entwicklung der Arbeitslosigkeit: "Die Erwerbstätigkeit dürfte im Durchschnitt des Jahres 2009 um 1 Prozent geringer sein als 2008; dies bedeutet einen Verlust von rund 400.000 Arbeitsplätzen. Im Jahr 2010 gehen nochmals rund 300.000 Arbeitsplätze verloren." Nach 3,3 Millionen Arbeitslosen im Jahr 2008 rechnet das IfW mit 3,7 Millionen im Jahr 2009 und 3,9 Millionen im Jahr 2010.

AP/Reuters / AP / Reuters
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