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KONSUM: Luxus-Kids: Konsumieren statt sparen

Eine Studie bringt es an den Tag: Jugendliche nehmen keine Rücksicht auf die konjunkturelle Entwicklung - und das Internet beeinflusst zunehmend die Kaufentscheidung.

Junge Menschen in Europa konsumieren mehr als sie sparen. Dies ist das Ergebnis einer europaweiten Studie, die heute von der Universität Bonn vorgestellt wurden. Demnach nehmen die europäischen Jugendlichen keine Rücksicht auf die konjunkturellen Entwicklungen der vergangenen Jahre. »Die Jugend will ihren bisherigen Lebensstandard auf jeden Fall halten«, resümierte Universitäts-Professor Thomas Kutsch, der die Studie wissenschaftlich begleitete.

Deutsche Teens »Spitzenverdiener«

Die Untersuchung wurde in Zusammenarbeit zwischen der Universität und dem Kreditkartenunternehmen Eurocard/MasterCard in den 15 Mitgliedstaaten der Europäischen Union unter 11.000 Personen im Alter zwischen zehn und 17 Jahren durchgeführt. Deutsche Jugendliche verfügen demzufolge über ein Taschengeld von durchschnittlich 25 Euro pro Monat und gehörten damit zu den Spitzenverdienern im Europavergleich. Nur Luxemburger Jugendliche erhielten zwei Euro mehr.

Weniger Geld für's Hobby

Das meiste Geld wird für Kleidung, CDs, Essen und Getränke, das Handy sowie Computerzubehör und Computerspiele ausgegeben, erklärte Kutsch. Im Vergleich zu 1996 wird wesentlich weniger gespart. Auch für das Hobby geben die Jugendlichen weniger Geld aus. »Der Nutzen und der Preis des Gekauften hat die größte Bedeutung. Ob das Produkt ökologisch sinnvoll oder umweltverträglich ist, spielt eine untergeordnete Rolle«, erklärte der Bonner Wissenschaftler.

Freunde und Eltern beeinflussen

Wichtig bei den Kaufentscheidungen des europäischen Jugendlichen sind Eltern und Freunde. Sie sind es auch, die die Kinder beim Einkauf begleiten. Geschwister und Großeltern sind bei dem Gang in die Geschäfte selten gefragt. In südeuropäischen Ländern wie Spanien, Italien und Griechenland steht die Familie bei Kaufentscheidungen mit Rat und Tat zur Seite. In Deutschland sind es eher die Freunde.

Web dient der Vorbereitung

Das Internet als Informationsmedium zur Vorbereitung auf den Einkauf hat im Vergleich zu einer ähnlichen Studie aus dem Jahr 1996 bei der Untersuchungsgruppe deutlich an Bedeutung gewonnen. Die deutschen Jugendlichen liegen hier im europäischen Vergleich mit an vorderster Stelle. Lediglich Niederländer und Luxemburger nutzen das World Wide Web noch mehr.

Kinder auf dem Land sind preisbewusster

Unterschiede bei der Informationsquelle vor einem anstehenden Einkauf gibt es der Studie zufolge allerdings zwischen den Geschlechtern. Jungen bevorzugen häufiger Fernsehen, Internet und Printmedien. Bei den Mädchen steht der Austausch mit Eltern sowie Freundinnen und Freunden an erster Stelle. Auch Schaufensterauslagen inspirieren Mädchen stärker zum Kauf als Jungs. Mit zunehmendem Alter gewinnen gleichaltrige Freundinnen und Freunde bei den Kaufentscheidungen an Einfluss. Einen Unterschied zwischen Land- und Stadtkindern konnte die Studie ebenfalls aufdecken. Kinder, die auf dem Lande leben, sind danach deutlich preisbewusster als Stadtkinder.