Konsumflaute Rezessionsangst dämpft Kauflaune

Hohe Energiepreise und wachsende Rezessionsängste haben die Verbraucherstimmung in Deutschland weiter eingetrübt. Für den Konsumklimaindex wird im August nur noch ein Wert von 2,1 Punkten - nach 3,6 Punkten im Juli - erwartet. Der Indikator rutschte damit auf den niedrigsten Wert seit Juni 2003.

Die anhaltend hohe Inflation und der drohende Konjunkturabschwung haben die Kauflaune der Deutschen erneut gedämpft. Die Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) prognostizierte für August einen Rückgang ihres Konsumklimaindex um 1,5 auf 2,1 Punkte. Das ist der niedrigste Stand seit Juni 2003. "Neue Höchstwerte bei Energiepreisen, stärker werdende Rezessionsängste sowie das Wiederaufflammen der Finanzmarktkrise haben die Verbraucher stark verunsichert", sagte GfK-Experte Rolf Bürkl. Sie wollen deshalb weniger Geld für große Anschaffungen ausgeben und befürchten, dass sich ihre finanzielle Situation in den kommenden zwölf Monaten verschlechtert.

Wegen der anhaltend hohen Inflation sorgen sich die 2000 Befragten zunehmend um ihre Kaufkraft. Trotz der teilweise deutlichen Tariferhöhungen in vielen Branchen befürchten sie, dass sich ihre Einkommenssituation verschlechtert. "Die zuletzt explodierten Energiepreise sorgen dafür, dass die Budgets der Haushalte verstärkt zur Begleichung der Energierechnung eingesetzt werden müssen", sagte Bürkl. "Entsprechend fehlen diese Mittel an anderer Stelle und sorgen für die derzeitige Kaufzurückhaltung."

Der Teilindex für die Einkommenserwartung sank um 12,8 auf minus 20 Punkte und damit auf den tiefsten Stand seit fast vier Jahren. Auch der Index für die Kaufbereitschaft sank um 2,5 auf minus 26,2 Zähler. Für die Konjunktur zeigten sich die Konsumenten ebenfalls pessimistischer. Der Teilindex für die Konjunkturerwartungen brach um 15,5 auf minus 8 Punkte ein. "Neben der hohen Inflation fürchten viele Bundesbürger offenbar, dass sich die Konjunktur in Deutschland spürbarer abkühlen dürfte als bislang erwartet", sagte Bürkl. Die Finanzkrise sei bei weitem noch nicht ausgestanden. Gleichzeitig gefährde der starke Euro den Export.

GfK-Chef Klaus Wübbenhorst fürchtet unterdessen, dass sich die hohen Energiepreise auch mittel- und langfristig als eine Konsumbremse erweisen könnten. "Wir müssen uns bei Energie wahrscheinlich auf ein hohes Kostenniveau einstellen. Das wird sicherlich auf die Konsumneigung durchschlagen", sagte Wübbenhorst in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa in Nürnberg. "Was Haushalte zusätzlich für Energie aufwenden müssten, steht für andere Ausgaben nicht mehr zur Verfügung", sagte er. Das treffe vor allem Haushalte mit niedrigen Einkommen, für die die Energiekosten einen großen Anteil ihrer Ausgaben ausmachten, gab er zu bedenken.

Von den zunehmend knappen Kassen vieler Haushalte dürften nach Wübbenhorsts Einschätzung allenfalls Lebensmittel-Discounter profitieren. Dagegen könnte die wachsende Konsumzurückhaltung bei Herstellern langlebiger auf die Umsätze drücken. "Die Leute fahren einfach ihr Auto ein halbes Jahr länger, verschieben die Renovierung ihres Bades und sagen sich: "Eigentlich brauche ich im Moment gar keinen neuen Fernseher"", prognostizierte er angesichts der aktuell von der GfK Verzeichneten Konsumzurückhaltung. "Die Themen "Preise" und "Inflation" sind in den Köpfen der Leute", sagte der GfK-Chef.

Reuters/DPA DPA Reuters

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