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Decathlon: Nach Protesten: Sportfirma wirft Jogging-Kopftuch aus dem Sortiment

Kopftuch-Streit der besonderen Art. In Frankreich stoppt das Sportartikelunternehmen Decathlon den Vertrieb eines Jogging-Hidschabs. Die Maßnahme löst ein geteiltes Echo aus.

Sport-Kopftuch im Onlineshop von Decathlon Marokko

In seinem marokkanischen Onlineshop bietet Decathlon das Sport-Kopftuch weiterhin an – in Schwarz und in Weiß

Von Beihilfe zur "Unterwerfung" von Frauen und einem Verstoß gegen westliche Werte war die Rede: Mit einem Jogging-Kopftuch für muslimische Frauen hat der französische Sportartikelhersteller Decathlon scharfe Kritik auf sich gezogen – nun macht das Unternehmen einen Rückzieher.

Der sogenannte Hidschab, der Kopf und Hals bedeckt, wird in Frankreich vorerst nicht verkauft, wie ein Decathlon-Sprecher im Radiosender RTL ankündigte.

Decathlon macht Rückzieher

Politiker bis in die Reihen der Regierung hatten Decathlon kritisiert, manche forderten sogar einen Boykott des bekannten Herstellers. Decathlon-Sprecher Xavier Rivoire betonte, mit dem Rückzug des Produkts werde Decathlon seiner "Verantwortung" gerecht. Wenige Stunden zuvor hatte er das atmungsaktive Kopftuch noch wortreich verteidigt: "Wir stehen zu unserer Entscheidung, den Sport Frauen in aller Welt zugänglich zu machen", hatte Rivoire der Nachrichtenagentur AFP gesagt.

Als erste begrüßten Frankreichs Rechtspopulisten den Vermarktungsstopp: Die Chefin des Rassemblement National (Nationale Sammlungsbewegung), Marine Le Pen, erklärte im Kurzbotschaftendienst Twitter: "Geld rechtfertigt nicht jede Unterwerfung und jede Provokation". Niemand dürfe "dem Druck der Islamisten" nachgeben.     

Justizministerin Nicole Belloubet nannte die Diskussion über den Hidschab dagegen "hysterisiert". Die Vermarktung eines Sport-Kopftuchs widerspreche nicht dem strengen Gebot der Trennung von Kirche und Staat in Frankreich, betonte sie. Gut sichtbare religiöse Symbole wie Kopftücher und Kreuze sind darunter an staatlichen Schulen seit 2004 verboten.

Sport-Kopftuch in Marokko laut Decathlon ein "Renner"

Damit trat die 63-jährige Ministerin Kritikern aus dem Umfeld von Staatschef Emmanuel Macron entgegen. Eine Sprecherin der Regierungspartei La République en Marche (Die Republik in Bewegung) hatte Decathlon vorgeworfen, mit den Werten der Republik zu "brechen". Es sei die Aufgabe des Sports, zu emanzipieren und nicht zu "unterwerfen", betonte sie. "Wer Frauen im öffentlichen Raum nur dann toleriert, wenn sie sich verstecken, schätzt die Freiheit nicht."    

In welchen Ländern Decathlon das Jogging-Kopftuch nun außerhalb von Frankreich vermarkten wird, ist noch offen. Bisher ist es nur in Marokko erhältlich, und dort erwies sich der Hidschab in Schwarz und Weiß nach Angaben des Unternehmens als "Renner". In Deutschland unterhält Decathlon mehr als 60 Filialen und ist inzwischen auch in Österreich am Start.     

Mit dem Jogging-Kopftuch war der französische Hersteller nicht allein am Markt: Auch der US-Hersteller Nike vertreibt einen "Hidschab für Frauen" in Schwarz, Grau oder Weiß.

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Quellen: RTL Radio, Nike, Marine Le Pen auf Twitter, Stellungnahme Decathlon, Nachrichtenagentur AFP

wue / AFP