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Regelung zum 1. April platzt Kostenlose Plastiktüten sollen verschwinden - doch einige Branchen sträuben sich

Plastiktüten sollen nicht mehr kostenlos sein, damit der Verbrauch sinkt
Plastiktüten sollen nicht mehr kostenlos sein, damit der Verbrauch sinkt
© Matthias Balk/DPA
Eigentlich sollten zum 1. April kostenlose Plastiktüten flächendeckend verschwinden. Doch viele Händler zieren sich. Unter anderem die Bäcker machen einen Rückzieher. 

Plastiktüten gelten vielen als eine der größten Umweltsünden unserer Zeit. In Supermärkten ist es schon lange normal, dass Kunden für die Tüten zumindest ein paar Cent bezahlen. Und so sollte es ab 1. April auch in anderen Geschäften sein. Eine entsprechende Vereinbarung wollte der Handelsverband HDE eigentlich gemeinsam mit dem Bundesumweltministerium zu diesem Datum in Kraft setzen.

Doch bei der Umsetzung hapert es, sodass der geplante Starttermin für die Bezahlpflicht nicht eingehalten wird. Weil sich nicht genug Unternehmen beteiligen, hat Umweltministerin Barbara Hendricks die Vereinbarung noch nicht unterschrieben. Sollte die freiwillige Vereinbarung des Handels nicht zustande kommen, droht eine gesetzliche Regelung.

Das Problem des Handelsverbands: Um die kostenlose Plastiktüte flächendeckend zu verbannen, muss der HDE auch andere Verbände überzeugen, mitzumachen. Denn rund 30 Prozent der Tüten werden nicht von Einzelhändlern ausgegeben, sondern von anderen Branchen.

Die Bäcker sind nicht dabei

Der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks hat bereits erklärt, sich nicht zu beteiligen. Der Verband könne aus rechtlichen Gründen keine Verpflichtung für die rund 12.000 selbstständigen Bäcker eingehen, sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes der "Welt".

Auch der Apothekerverband ABDA will seinen Landesvereinigungen keine Vorschriften machen. Immerhin: Die Apotheker aus Baden-Württemberg gehen mit gutem Beispiel voran. Sie wollen am 1. April Plakate mit dem Slogan "Nein danke - ich brauche keine Tüte" in ihren Läden aufhängen.

Vereinbarung soll zeitnah kommen

Der Handelsverband ist optimistisch, dass die Vereinbarung doch noch "zeitnah" kommt. "Eine ganze Reihe von Unternehmen ist schon gestartet oder steht in den Startlöchern", sagt ein HDE-Sprecher. Rund 150 Unternehmen hätten signalisiert, sich der Vereinbarung anschließen zu wollen.

Damit wären laut HDE 60 Prozent der Tüten von der Vereinbarung erfasst, die der Einzelhandel vertreibt. Branchengrößen wie Tchibo, Karstadt, Media Markt und Saturn verzichteten bereits auf kostenlose Kunststoffbeutel. C&A und Globetrotter sind zum 1. April dabei. Das Ziel: Binnen zwei Jahren sollen 80 Prozent aller Plastikbeutel nicht mehr kostenlos sein. Wie viel eine Tüte kosten wird, ist noch unklar.

Gesetzliche Regelung droht

Klar ist nur: Wenn die Händler keine freiwillige Selbstverpflichtung hinbekommen, droht ihnen eine gesetzliche Regelung. Denn eine EU-Richtlinie verpflichtet die Mitgliedstaaten, den Jahresverbrauch von Plastiktüten ab 2020 auf 90 Tüten pro Kopf zu verringern und ab 2026 auf 40 Stück. Derzeit verbrauchen die Deutschen 71 Plastiktüten pro Kopf. Damit belegt Deutschland EU-weit den viertbesten Platz. Andere Länder haben also noch viel mehr Arbeit vor sich.


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