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Krankenversicherung: "Schlechter Stil"

In bundesweiten Stichproben bei niedergelassenen Ärzten und Kliniken hat der MDR herausgefunden, dass Kassenpatienten auch bei ernsthaften Symptomen länger auf einen Termin warten müssen als Privatversicherte - und das um bis zu vier Monate.

Lange Wartezeiten von Kassenpatienten werden den Ärzten vom Bundesverband der Allgemeinen Ortskrankenkassen als "schlechter Stil" angekreidet. Die AOK werde die MDR-Untersuchung über Terminvergabe an Kassenpatienten aus- und bewerten, sagte die Sprecherin Barbara Marnach in Bonn der AP. "Bei uns sind solche Beschwerden noch nicht angekommen." Wenn Anlass zur Annahme bestehe, dass die Patienten nicht das bekämen, worauf sie Anspruch hätten, sei dies ein Grund zum Tätigwerden.

Bundesweite Stichproben

Laut MDR ergaben bundesweite Stichproben, dass Kassenpatienten auch bei ernsthaften Symptomen in der Regel länger auf einen Untersuchungstermin in Arztpraxen und Kliniken warten müssen als Privatversicherte. Die Wartezeit von Kassenpatienten sei bis zu vier Monate länger, hieß es.

Marnach sagte, bei akuten Beschwerden hätten Kassenpatienten Anrecht auf umgehende Diagnose und Behandlung. Beispielsweise wäre das Hinauszögern einer Untersuchung wegen Bluts im Stuhl, das ein Indiz für Krebs sein könne, "ganz klar eine Pflichtverletzung". Auf eine Vorzugsbehandlung von Privatpatienten hätten die Kassen allerdings keinen Einfluss, sagte Marnach. Der Arzt könne für sie selbst ein eigenes Warte- und Sprechzimmer einrichten.

Zur Terminvergabe für nicht dringliche Untersuchungen gebe es keine vertragliche Regelung, sagte die Sprecherin des Verbandes der Angestellten-Krankenkassen (VdAK) in Siegburg, Michaela Gottfried. Sie riet dazu, bei Verdacht einer Benachteiligung den Arzt darauf anzusprechen und notfalls darauf hinzuweisen, dass es auch noch andere Ärzte gebe.

Privatversicherte als Sahnehäubchen

Marnach betonte, dass die Ärzte von den Kassenversicherten lebten, die über 90 Prozent der Patienten ausmachten. Mit Ausnahme von Kleinstpraxen könne eine Arztpraxis ohne Kassenpatienten wirtschaftlich nicht bestehen, sagte sie. Mit dem Geld von den Kassen würden Praxisräume und Ausstattung finanziert. Die Privatversicherten mit einem Anteil von unter zehn Prozent bedeuteten nur ein Sahnehäubchen.