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Studie: Kassenpatienten warten länger

Eine große Studie belegt, was viele bereits vermutet haben: Kassenpatienten müssen dreimal so lange auf einen Termin beim Facharzt warten wie privat Versicherte. Magenspiegelung, Hör- oder Allergietest - je nach Untersuchung ergaben sich große Unterschiede.

Von Stefanie Zenke

Kassenpatienten müssen im Durchschnitt dreimal so lange auf einen Termin beim Facharzt warten wie privat Krankenversicherte. Das ergab eine Studie der Universität Köln. "Wir können mit der Studie erstmals wissenschaftlich fundiert zeigen, dass Kassenpatienten sich bei der Terminvergabe in Facharztpraxen hinten anstellen müssen", sagte der kommissarische Leiter des Instituts für Gesundheitsökonomie und klinische Epidemiologie, Markus Lüngen, stern.de. Bislang sei die eindeutige Tendenz bestritten worden, so Lüngen.

Für die Untersuchung hatten wissenschaftliche Mitarbeiter des Instituts, dessen Direktor der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach ist, im Frühjahr 2006 insgesamt 189 niedergelassene Facharztpraxen im Raum Köln/ Bonn/Leverkusen kontaktiert. Telefonisch gaben sich die Tester entweder als Kassen- oder als Privatpatienten zu erkennen und baten um eine von fünf ausgewählten Untersuchungen: einen Allergie- und Lungenfunktionstest, eine Augenuntersuchung (Pupillenerweiterung), eine Magenspiegelung, einen Hörtest oder eine Magnetresonanztomographie des Knies. Gezählt wurden die Werktage, die zwischen dem Anruf und dem vergebenen Termin lagen.

Hausärzte nicht einbezogen

Der größte Unterschied in absoluten Zahlen ergab sich für die Magenspiegelung, auf die Privatpatienten im Durchschnitt 11,9 Werktage, Kassenpatienten aber 36,7 Werktage warten mussten. Am geringsten fiel der Unterschied bei den Hörtests aus, die bei Kassenpatienten nach 6,8 Tagen durchgeführt wurden, während Privatversicherte bereits 2,2 Tage nach dem Telefonanruf in die Praxen gebeten wurden.

Hausarztpraxen wurden nicht in die Untersuchung miteinbezogen. "Hausärzte haben wir ausgenommen, weil die oft anders organisiert sind", sagte Lüngen. In vielen Hausarztpraxen sei es üblich, sich ohne Termin ins Wartezimmer zu setzen. Bei Fachärzten hingegen würde die Terminvergabe praktiziert.

Ärzte sind nicht die Bösewichte

"Die Tendenz, dass Kassenpatienten länger auf Facharzttermine warten müssen als privat Krankenversicherte, war uns im Ergebnis klar", sagt Lüngen. Dies sei auch nicht verwunderlich, so der Experte, denn einen privat Versicherten zu behandeln, bedeute für den Arzt, mehr abrechnen zu können. Seine Erlöse würden rund 20 bis 35 Prozent über den Erlösen liegen, die bei der Behandlung gesetzlich Pflichtversicherter erzielt werden könnten.

Von Seiten der Ärzte gab es keinerlei Reaktion auf die Studie. "Die Ärzte wissen das ja am besten", sagt Lüngen. "Wir wollen sie auch nicht als die Bösewichte darstellen." Es sei das System, das verändert werden müsste. Lüngen: "Die Entgelte müssen angeglichen werden - es darf keinen Unterschied machen, ob Kassenpatient oder privat Versicherter."

KBV räumt Unterschiede im Service ein

Unterdessen forderte die Bundesregierung die Kassenärztlichen Vereinigungen auf, gegen unterschiedliche Wartezeiten von gesetzlich und privat Versicherten vorzugehen. Die Organisationen müssten eine reibungslose Versorgung der Kassenpatienten sicherstellen, sagte der Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums, Klaus Vater. Zudem müssten die Krankenkassen darauf drängen, dass Lücken geschlossen würden. Vorbildlich sei, dass einige Kassen schon jetzt auf Wunsch für ihre Patienten Termine bei Fachärzten vereinbarten.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) räumte Unterschiede im Service ein. Es gebe aber keine Unterschiede in der Behandlung, sagte der KBV-Chef Andreas Köhler. Die Ärzte seien nicht dazu verpflichtet, jeden Patienten immer sofort oder so schnell wie möglich dranzunehmen. Termine würden unter medizinischen Gesichtspunkt vergeben - unabhängig davon, ob der Patient privat oder gesetzlich versichert sei.

Unterschiede im Service nicht verwunderlich

Die Bundesärztekammer erklärte, die unterschiedlichen Wartezeiten seien die Folge staatlich vorgegebener Unterfinanzierung. Die vorgeschriebenen Budgets seien oft schon vor Ende des Quartals erschöpft, sagte Präsident Jörg-Dietrich Hoppe. Es werde daher versucht, akut nicht notwendige Behandlungen auf das nächste Quartal zu verlegen. Es sei perfide, die Mediziner dafür verantwortlich zu machen. Der Verband der privaten Krankenversicherung (PKV) erklärte, durch fortwährende Budgetierung sei es zu einem systematischen Verfall der Honorare für Kassenärzte gekommen. Unterschiede im Service seien daher nicht verwunderlich.

Ministeriums-Sprecher Vater rief Kassenpatienten auf, bei einem Verdacht auf Bevorzugung von Privatversicherten ihre Krankenkasse zu informieren, die dann wiederum bei der Kassenärztlichen Vereinigung intervenieren könne. Diese habe eine Fülle von Sanktionsmöglichkeiten. Weniger Unterschiede im Umgang mit gesetzlich oder privat Versicherten seien von der zurzeit ausgehandelten Reform der Ärzte-Honorare zu erwarten, die 2009 in Kraft treten soll.

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