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KRISE: Leo Kirch offenbar zum Rückzug bereit

Leo Kirch ist offenbar zum Rückzug aus seinem Firmenimperium bereit. Die Banken hatten Kirch dazu aufgefordert, im Gegenzug für eine weitere Finanzspritze die Mehrheit an seinem Kerngeschäft abzugeben.

Leo Kirch ist offenbar zum Rückzug aus seinem Firmenimperium bereit. Der 75-jährige habe sich im Prinzip zu diesem Schritt entschlossen, sagte ein Branchenkenner am Montag der dpa in München. Die Banken hatten Kirch aufgefordert, im Gegenzug für eine weitere Finanzspritze die Mehrheit an seinem Kerngeschäft abzugeben. Am Sonntagabend hatten Banken und Investoren in stundenlangen Verhandlungen darum gerungen, wer die Kontrolle über die KirchMedia erhalten soll. Die Gespräche sollen heute fortgesetzt werden.

In der jüngsten Verhandlungsrunde am Sonntag in München sei deutlich geworden, dass die Kirch-Minderheitsgesellschafter, darunter der italienische Konzern Mediaset und der australische Medienunternehmer Rupert Murdoch, die Mehrheit an der Filmproduktions- und Rechtegesellschaft KirchMedia übernehmen wollten. Die Banken stünden dieser Möglichkeit aufgeschlossen gegenüber und auch der Widerstand des 75-jährigen Firmengründers schwinde. Eine Einigung sei noch in dieser Woche möglich.

Die mit mindestens 6,5 Milliarden Euro verschuldete Kirch-Gruppe ringt schon seit Wochen mit den Gläubigerbanken um ein Sanierungskonzept. Dabei wurde schnell klar, dass sich Kirch von Randaktivitäten wie seiner Beteiligung am Hamburger Axel Springer Verlag, dem spanischen TV-Sender Telecinco und wahrscheinlich auch seinem Engagement bei der Formel 1 trennen muss. Nun wird Leo Kirch wohl auch noch die Kontrolle über das Kerngeschäft - die Filmproduktion, den Rechtehandel und die Senderfamilie ProSiebenSat.1 Media - verlieren.

Kirch-Minderheitsgesellschafter wollen Mehrheit

An den Gesprächen am Sonntag nahmen den Angaben zufolge Vertreter des Medienkonzerns, Kreditexperten der Bayerischen Landesbank, der HypoVereinsbank, der DZ Bank und der Commerzbank und die Minderheitsgesellschafter unter der Führung von Mediaset teil. »Die Investoren haben deutlich gemacht, dass sie die Mehrheit wollen. Die Banken stehen dem nicht grundsätzlich ablehnend gegenüber«, hieß es in Verhandlungskreisen.

Jahrelang hatten die Kreditinstitute einen Einstieg bei Kirch mit der Begründung abgelehnt, das Filmgeschäft sei zu undurchsichtig und riskant. »Die Banken drängen sich da nicht rein. Wenn es ohne uns geht - um so besser. Wir verstehen nichts vom Filmgeschäft«, kommentierte ein Bankenvertreter die Gespräche. Im Zuge einer Kapitalerhöhung von 800 Millionen Euro solle KirchMedia eine Finanzspritze erhalten, um operativ handlungsfähig zu bleiben. Die Anteile Kirchs, der zusammen mit seinem Sohn Thomas rund 79 Prozent an KirchMedia hält, würden dadurch auf jeden Fall auf unter 50 Prozent verwässert.

Die Minderheitsgesellschafter - Murdoch, der Mediaset-Konzern des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi, der Handelskonzern Rewe, die Finanzinvestoren Lehman Brothers und Capital Research sowie der saudische Prinz Al Waleed - halten zusammen rund 21 Prozent an KirchMedia. In welchem Verhältnis sich die Gesellschafter und die Banken an der Kapitalerhöhung beteiligen oder ob die Kreditinstitute überhaupt ein Kapitalengagement eingehen würden, sei noch unklar, hieß es in Finanzkreisen. Grundsätzlich wäre ein Einstieg der Banken höchstens für zwei bis drei Jahre gedacht.