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Krümmel/Brunsbüttel: Expertenkommission tagt im AKW

Nach der Pannenserie der Atomkraftwerke Krümmel und Brunsbüttel soll nun eine von Betreiber Vattenfall eingesetzte Expertenkommission Licht ins Dunkel bringen. Damit will der Stromkonzern auch das Vertrauen der Kunden zurückgewinnen - und ihre Abwanderung stoppen.

Nach der Pannenserie in den Atomkraftwerken Krümmel und Brunsbüttel ist eine Expertenkommission am Freitag zu ihrer ersten Sitzung zusammengekommen. Die Kommission zur Aufklärung der Vorfälle tagte im Kraftwerk Krümmel in Geesthacht. Für ihre Arbeit habe der Betreiber Vattenfall fünf Millionen Euro zur Verfügung gestellt, sagte der Chef der Atomsparte in Deutschland, Reinhardt Hassa. Etwa die selbe Summe bringe der Konzern zu Behebung der Schäden in Krümmel auf. Am 28. Juni waren die beiden Meiler nach Pannen vom Netz gegangen. In Krümmel war nach einem Kurzschluss ein Transformatoren-Gebäude ausgebrannt. Die verkohlten Reste der Anlage wurden inzwischen ausgebaut.

Parallel läuft eine routinemäßige Revision

Nach Hassas Angaben strebt Vattenfall an, dass beide Meiler so rasch wie möglich wieder ans Netz gehen können. Auf einen Termin wollte er sich aber nicht festlegen. Er rechne nicht damit, "dass wir innerhalb der nächsten wenigen Wochen ans Netz gehen können", sagte Hassa. Das für Atomaufsicht zuständige Kieler Sozialministerium macht eine vollständige Aufklärung der Ursachen zur Bedingung für die Genehmigung, den Reaktor wieder anzufahren.

Parallel zu den Untersuchungen des Brandes hat inzwischen eine routinemäßige Revision in dem Kraftwerk begonnen. Nach Vattenfall-Angaben bedeutet der Stillstand von Krümmel und Brunsbüttel einen Einnahmeausfall von täglich einer Million Euro.

"Alte Atomkraftwerke sind sicherer denn je"

Gleichzeitig will der in die Kritik geratene Betreiber Vattenfall das Vertrauen der Kunden zurückgewinnen. "Wir haben die Sorgen der Menschen unterschätzt", sagte der Chef des schwedischen Mutterkonzerns, Lars Göran Josefsson, am Donnerstagabend bei einer Diskussion der Zeitung "Die Welt" und des Deutschlandradios in Berlin. Das habe zu einem Vertrauensbruch geführt.

Trotz der Zwischenfälle sei die Atomkraft nicht gefährlich. Beide Kraftwerke würden erst wieder angeschaltet, wenn alle Fragen geklärt seien. In Deutschland sei die Diskussion über die Atomkraft "besonders", sagte Josefsson. Das sei im Unternehmen zu spät erkannt worden. Das Unternehmen stelle jetzt täglich Berichte ins Internet. Zudem stehe er persönlich mit dem Europa-Chef, Hans-Jürgen Cramer, in Kontakt. Die Debatte in Deutschland müsse sachlicher werden, sagte Josefsson.

Fehler bei der Öffentlichkeitsarbeit

In Atomkraftwerken würden die Sicherheitsstandards jedes Jahr erhöht. Auch alte Anlagen seien sicherer als vor 30 Jahren. Darum bestehe kein Grund, die Betriebslizenzen zurückzugeben. Die jüngsten Störfälle in Brunsbüttel und Krümmel seien auf der internationalen Skala auf Rang null eingestuft worden: "Weniger geht nicht", sagte Josefsson. Zudem helfe die Atomkraft, den Klimawandel zu bekämpfen. Allerdings räumte er auch Fehler in der Öffentlichkeitsarbeit ein.

Der Unternehmenschef bezifferte den Kundenverlust von Vattenfall in Deutschland im vergangenen Jahr auf zwischen 10.000 und 100.000. Die Zahl von 20.000 bis 30.000 abgewanderten Kunden in den letzten Monaten, wie von einem Konkurrent behauptet, könne stimmen, sagte Josefsson. Am 28. Juni waren die von Vattenfall betriebenen Atommeiler Krümmel und Brunsbüttel per Schnellabschaltung heruntergefahren worden. Seither wurden immer neue Pannen gemeldet, und das Unternehmen kam wegen seiner Informationspolitik in die Kritik.

AP/DPA / AP / DPA