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Landesbank Baden-Württemberg: Ein Banker sagt "Nein" – und fliegt

Markus Pflitsch war ein hoffnungsvoller Banker – und wurde dennoch kaltgestellt. Der Ex-Geschäftsführer der Immobilientochter der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) wurde abgelöst, nachdem er vor Risiken bei der Immobiliensparte gewarnt hatte. Nach Recherchen des stern und des SWR verweigerte er seine Unterschrift unter einen Bericht seiner Bank.

Nur einen knappen Monat lang war Markus Pflitsch im Jahr 2009 Chef der milliardenschweren Immobilientochter der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Dann musste er gehen - nachdem er eine Unterschrift unter einen Bericht verweigerte. Das geht aus Recherchen des stern und des SWR hervor. Pflitsch war ein Banker, der vor zuviel Risiko warnte.

Die Unterschrift wollte der Manager nicht leisten, weil er unter anderem hohe Risiken bei der Bewertung von Immobilien sah. Die LBBW Immobilien GmbH hatte vor seiner Zeit viel Geld in Wohnbauprojekte unter anderem in Russland und Rumänien gesteckt. Die Landesbank bestreitet, dass das Ausscheiden von Pflitsch damit zusammenhängt, dass er seine Unterschrift verweigerte.

Abschreibungsbedarf: 300 Millionen Euro

Mittlerweile musste die Bank ihr Immobilienportfolio im Geschäftsbericht 2009 um rund 300 Millionen Euro abwerten. Auch der damalige Ministerpräsident Günther Oettinger und sein Nachfolger Stefan Mappus (beide CDU) wussten über die Vorgänge bei der LBBW-Immobilientochter Bescheid. Pflitsch hatte sie im Januar 2010 per Fax über seine Sicht der Hintergründe seines Rausschmisses informiert.

Ein LBBW-Sprecher betont, Pflitschs Ausscheiden aus dem Konzern stehe "in keinem Zusammenhang mit dem Nicht-Unterschreiben einer Vollständigkeitserklärung".

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