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Farbstoff, Aroma, Reifebeschleuniger: Kennen Sie diese 6 Tricks der Lebensmittelindustrie?

Ob Billigsalami, Tiefkühl-Pommes oder Tütensuppe: Viele Lebensmittel aus dem Supermarkt sind unfassbar günstig und schmecken meist nicht schlecht. Aber was steckt in den Industrieprodukten? Das ZDF hat die Produkte im Labor nachgebaut.

Um ihre Fertigprodukte so günstig anbieten zu können, greift die Lebensmittelindustrie zu allerlei Tricks

Um ihre Fertigprodukte so günstig anbieten zu können, greift die Lebensmittelindustrie zu allerlei Tricks

Frisches Gemüse, Früchte, Fleisch: Wer sich von den Bildern auf den Supermarkt-Packungen blenden lässt, könnte meinen, alles sei frisch beim Bauern abgepackt worden. In Wahrheit aber stammen die meisten Produkte aus riesigen Fabriken, wo sie industriell und möglichst kostengünstig hergestellt werden.

Was aber steckt wirklich in den Industrieprodukten und mit welchen Tricks werden sie hergestellt? Um das zu demonstrieren, hat das ZDF für die Sendung "Die Tricks der Lebensmittelindustrie" den Produktentwickler Sebastian Lege einige der Industrieprodukte in seiner eigenen Showküche nachbauen lassen.

1. Der Schäl-Trick

Tiefkühl-Pommes sind unglaublich günstig. Dabei ist doch schon das Kartoffeln schälen normalerweise ziemlich mühsam. Wie verwandelt die Industrie Kartoffeln in kürzester Zeit in Pommes? ZDF-Experte Sebastian Lege demonstriert den Schäl-Trick der Industrie: Er schmeißt die Kartoffeln in eine Waschmaschine, die er zuvor mit Sandpapier ausgelegt hat. Nach einem ordentlichen Schleudergang ist die Schale abgeschmirgelt. Nach dem gleichen Prinzip funktioniert es auch in der Industrie. Damit sich die Schale besser ablöst wird zudem meist Natronlauge eingesetzt. Dosen-Mandarinen und Pfirsiche werden industriell übrigens mit Salzsäure geschält. 

2. Der Farbstoff-Trick

Damit die Industrieprodukte lecker aussehen, wird an Farbstoff nicht gespart. Im Labor lässt sich jede Farbnuance zusammenmixen, übrigens auch mit natürlichen Farbstoffen. Daher findet sich Karottenkonzentrat auch in vielen Produkten, die mit Möhren eigentlich gar nichts zu tun haben. So muss auch ins Erdbeereis am Stiel nicht nur Erdbeerpüree für den Geschmack, sondern auch Sirup aus schwarzen und orangen Karotten für den richtigen Rot-Ton.

3. Der Aroma-Trick

Wenn das Auge schon getäuscht ist, hat die Industrie mit dem Gaumen leichtes Spiel. Natürliche Zutaten werden in großem Maßstab durch günstige Aromen ersetzt. Lebensmittelexperte Sebastian Lege demonstriert das, in dem er selbst eine Schüssel Fake-Ravioli anrührt. Seine Tomatensoße kommt dabei ohne Tomaten aus und die Fleischfüllung ohne Fleisch. Stattdessen spart er nicht mit Aromen, Farbstoffen und Bindemitteln. Die Fleischfüllung wird mit billigem Sojaeiweiß simuliert. Bei der Verkostung in der Düsseldorfer Innenstadt bemerkt kaum einer den Trick.

4. Der Tütensuppen-Trick

Wie kann eine Tütensuppe frische Zutaten enthalten, wenn sie noch nicht einmal im Kühlregal liegt? Der Industrie-Trick lautet: Gefriertrocknen. Die Suppenzutaten werden erst eingefroren, dann entzieht man ihnen im Vakuum jegliche Flüssigkeit, damit sie nicht schimmeln. Diese Instant-Gemisch kann man später durchaus schmackhaft mit Wasser aufkochen. Die große Frage ist nur: Was passiert mit den Vitaminen? Frische Erbsen haben weniger als Tiefkühlerbsen. Dosenerbsen sind klar abgeschlagen. Die Überraschung: Gefriergetrocknete Erbsen haben noch fast so viele Vitamine wie frische und deutlich mehr als Dosenerbsen. Die meisten Vitamine stecken übrigens in Tiefkühlerbsen, weil sie frisch eingefroren werden, während die frischen Erbsen auf dem Transport schon an Frische verlieren.

5. Der Reife-Trick

Die Wurst im Supermarkt wird nicht nur so billig angeboten, weil es den Tieren oft schlecht ergeht, sondern auch, weil bei der Herstellung auf chemische Tricks zurückgegriffen wird. Während handgemachte Salami vom Metzger mit Würzen, Reifen und Trocknen etwa vier Wochen braucht, demonstriert Sebastian Lege, wie man eine Turbo-Salami in 48 Stunden züchtet. Das Geheimnis ist ein weißes Pulver namens GDL. Dieser Reifebeschleuniger kürzt den ganzen Reifeprozess der Salami extrem ab. Auch bei Käse werden häufig Reifebeschleuniger eingesetzt

6. Der Mais-Trick

Mais ist extrem ertragreich und wird fast überall auf der Welt angebaut. Daher ersetzt die Industrie mit dem günstigen Korn liebend gern teurere Zutaten - auch in Produkten, in denen man es zunächst nicht erwarten würde. So enthalten beispielsweise Trinkjoghurt, Malzbier, Salatdressing, Ketchup oder Königsberger Klopse Mais. Erdnussflips bestehen sogar fast ausschließlich aus Mais. Teure Erdnüsse sind in dem beliebten Knabbersnack nur in homöopathischen Dosen enthalten.

"Die Tricks der Lebensmittelindustrie" - die komplette Sendung ist in der ZDF-Mediathek abrufbar