Leo Kirch Das Kirch-Imperium schlägt zurück


Fünf Jahre nach dem Untergang seines Medienimperiums will Leo Kirch offenbar wieder bei der Fußballbundesliga mitspielen. Lesen Sie hier ein Porträt des gefallenen einstigen Stars, der bald vielleicht schon wieder ganz oben mitmischen könnte.
Von Stephan Radomsky

Die Banken haben ihm vollkommen grund- und schuldlos den Geldhahn zugedreht, davon ist Kirch bis heute überzeugt. Und nach wie vor versucht er, diese Sicht der Dinge auch vor Gericht durchzusetzen. Bis heute klagt Kirch gegen den ehemaligen Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer - mit wenig Erfolg. So viel war bisher öffentlich bekannt. Nun hat sich bestätigt, was in der Branche schon seit Längerem gemunkelt wurde: Der 80-jährige Patriarch sinnt nicht nur auf Rache, sondern auch auf Rehabilitation.

Still und leise hat der schwer zuckerkranke und fast blinde Kirch gemeinsam mit seinem alten Gefährten Dieter Hahn eine neue Mannschaft auf die Beine gestellt und eine Allianz eingefädelt: zwischen dem EM.TV-Nachfolger EM.Sport Media, bei dem Kirch nun eingestiegen ist, und dem Schweizer Medienunternehmen Highlight Communications.

Rehabilitation statt Rache

Nun hat sich bestätigt, was in der Branche schon seit Längerem gemunkelt wurde: Der 80-jährige Patriarch sinnt nicht nur auf Rache, sondern auch auf Rehabilitation. Still und leise hat der schwer zuckerkranke und fast blinde Kirch gemeinsam mit seinem alten Gefährten Dieter Hahn eine neue Mannschaft auf die Beine gestellt und eine Allianz eingefädelt: zwischen dem EM.TV-Nachfolger EM.Sport Media, bei dem Kirch nun eingestiegen ist, und dem Schweizer Medienunternehmen Highlight Communications.

Kirch warb weitere Strippenzieher ab

In ihrem Büro in der Münchner Kardinal-Faulhaber-Straße 15 waren Kirch und Hahn schon länger nicht mehr allein. Fast schon konspirativ mutet der Name des Unternehmens an, über das Kirch sein Comeback abgewickelt hat: KF 15, das Kürzel für die Anschrift. Dort versammeln sich nun weitere erfahrene Strippenzieher der Branche. So warb Kirch etwa die Sportrechte-Expertin Dagmar Brandenstein von ARD und ZDF ab. Man kannte sich bereits aus früheren Tagen: Brandenstein lernte ihr Handwerk einst bei Kirch. Und auch Dejan Jocic, ehemals Geschäftsführer des Pay-TV-Senders Arena, ist mit im Team. Jocic war übrigens auch einmal Chef von Pro Sieben.

Und auch auf der anderen Seite des Verhandlungstischs hatte es Kirch mit alten Bekannten zu tun: Der EM.Sport-Chef Werner Klatten trennte sich einst im Streit von Kirch. Damals, Mitte der 90er, war Klatten Sat-1-Chef und Kirch Eigentümer des Senders. Klatten fiel durch ein unerwünschtes Interview in Ungnade und musste gehen. Inzwischen verstehen sich die beiden aber wieder - und verhelfen sich zu einem für beide nützlichen Geschäft. Und auch Highlight-Chef Bernhard Burgener ist für Kirch kein Unbekannter: Sein Unternehmen besitzt die Mehrheit an Kirchs ehemaligem Filmproduzenten Constantin.

Was Kirch genau vorhat, ist noch unklar. Er wolle sich nicht ins operative Geschäft einmischen und auch keinen Sitz im Aufsichtsrat von EM.Sport, sagt sein Sprecher. Doch scheint es unwahrscheinlich, dass der Mogul nicht mehr herrschen will. Und schließlich wahrten auch die gleichnamigen indischen Herrscher ihre Macht mit Hilfe vieler Statthalter.

FTD

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