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Medien: Immer noch kein Durchbruch bei Pay-TV

Gebeutelte Kirch-Gruppe: weitere Milliarden-Investitionen drohen, der Pay-TV-Erfolg bleibt aus und die Champions League ist reformbedürftig.

Die KirchGruppe ist mit der Entwicklung ihres verlustreichen Pay-TV-Angebots nicht zufrieden. »Der Durchbruch wird sich sicher um ein bis eineinhalb Jahre verschieben«, sagte Kirch-Vize Dieter Hahn der »Süddeutschen Zeitung«. Premiere World hat nicht so viele Abonnenten, wie die KirchGruppe gerne hätte. Die Zahl der Abonnenten des digitalen Angebots von Premiere World bezifferte Hahn auf »weit über zwei Millionen«. Genauere Angaben wollte er aber nicht machen. Der Geschäftsführer forderte außerdem eine Reform der Champions League.

Die KirchGruppe hat Milliarden in ihr Pay-TV gesteckt. Dennoch verfehlte sie im vergangenen Jahr das Ziel von 2,9 Millionen digitalen und analogen Kunden deutlich. »Aber wir haben in jedem Fall in den letzten eineinhalb Jahren ein substanzielles Wachstum erzielt, was zeigt, dass das Potenzial in Deutschland da ist«, meinte Hahn. Obwohl es hier zu Lande einen sehr großen Free-TV-Markt gibt, glaubt er, dass auch genügend Platz für das Bezahlfernsehen da ist. Die kritische Größe für Premiere World liegt bei etwa vier Millionen Abonnenten. »Wenn Sie darüber hinauswachsen, kommen Sie auch im Vergleich zu den hohen Anfangskosten dennoch zu einem sehr guten Ergebnis.«

Weitere Investitionen nötig

Bis die Zielgröße erreicht ist, muss die KirchGruppe nach Schätzung in Branchenkreisen möglicherweise noch einmal zwei bis drei Milliarden DM in das Pay-TV stecken. An der KirchPayTV ist die KirchGruppe mit 69,75 Prozent beteiligt. Die übrigen Anteile liegen unter anderem beim Medienzar Ruppert Murdoch und bei Finanzinvestoren.

Champions League ist unattraktiv

Angesichts der Diskussion um eine Übersättigung der Fußball-Fans fordert Hahn eine Reform der Champions League. »Die ist ein ausgesprochen unattraktives Produkt geworden.« Die Quoten im frei empfangbaren Fernsehen sind bei unattraktiven Gegnern »eine blanke Katastrophe«. Wenn es so weitergeht wie bisher, könnt seiner Meinung nach, der Sport beschädigt werden.

Wenig Spielraum bei Bundesliga

Bei der Fußball-Bundesliga sieht die KirchGruppe dagegen nur wenig Spielraum für eine Konzentration auf weniger Spieltermine am Wochenende. »Wenn wir in Deutschland nicht irgendwann nur zweitklassig spielen, sondern internationale Stars haben wollen, müssen wir entsprechende Einnahmen aus dem Fernsehen generieren.« Wenn also alle Spiele am Samstagnachmittag stattfinden, könnten dann die Vereine nach seiner Einschätzung niemals 800 Millionen DM aus den TV-Rechten erlösen.

Kein fixer Zeitpunkt für Börsengang

Der geplante Börsengang der KirchMedia, der Kerngesellschaft der Gruppe von Leo Kirch, soll im Jahr 2002 oder 2003 stattfinden, sagte Hahn. Dies wurde auch mit den anderen Gesellschaftern so vereinbart. Ursprünglich war der Börsengang schon für das zweite Halbjahr 2001 angedacht. Über die genaue Struktur der KirchMedia muss man dabei noch einmal nachdenken, sagte Hahn. Es gibt aber keine Eile, da große Investitionen nicht in Sicht sind.