Formel 1 Autohersteller: Bald mit eigener Rennserie?


Die Formel-Eins-Teams halten weiter den Aufbau einer eigenen Rennserie für möglich, falls Kirch die Formel Eins nicht auch im freien Fernsehen zeigt.

»Da wir die Hauptfinanziers sind, wollen wir die wertvolle Plattform Formel Eins weiter so nutzen, wie sie jetzt besteht«, zitierte das Nachrichtenmagazin Focus Ford-Vorstand Wolfgang Reitzle aus seiner neuesten Ausgabe vorab. Sollte Kirch, der zusammen mit EM.TV die Mehrheit der Rechte hält, die Formel Eins nur im Bezahl-Fernsehen zeigen wollen, könnten die Hersteller eine eigene Rennserie aufbauen. »Bis zum Jahr 2007 wäre das möglich«, sagte Reitzle. Reitzle ist Chef der zum Ford-Konzern gehörenden Formel Eins-Marke Jaguar.

Das »Handelsblatt« berichtet unter Berufung auf Kreise von DaimlerChrysler aus seiner Montagsausgabe vorab, dass die Autohersteller bereits innerhalb eines Jahres eine Rennsportweltmeisterschaft aufbauen könnten, sollte es nicht zu Gesprächen mit der Kirch-Gruppe und EM.TV kommen. Auf Grund vertraglicher Bindungen würde es die Weltmeisterschaft jedoch frühestens 2004 geben. Bei DaimlerChrysler werde nicht damit gerechnet, dass es zu schnellen Verhandlungen zwischen den Parteien kommen werde, heißt es in dem Bericht weiter.

Kirch-Geschäftsführer Dieter Hahn hatte erst am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters gegenüber gesagt, die Formel Eins werde auch künftig im Free-TV zu sehen sein. Ein Kirch-Sprecher bekräftigte dies am Samstag auf Anfrage erneut. An der Absicht Kirchs, die Rennserie auch künftig im Free-TV zu zeigen, habe sich nichts geändert.

Die Kirch-Gruppe hatte zusammen mit ihrem Partner EM.TV & Merchandising AG am Mittwoch eine Option zur Aufstockung des gemeinsamen Anteils an der Formel Eins-Holding SLEC auf 75 Prozent ausgeübt. Die restlichen 25 Prozent liegen nun noch bei Formel Eins-Organisator Bernie Ecclestone, der den Einstieg des Medienkonzerns ebenso wie die Autohersteller kritisiert hatte. Sie befürchten, Kirch wolle Einfluss auf die Vergabe der begehrten TV-Rechte üben und die Rennen nur im Pay-TV zeigen. Nach früheren Angaben streben die Autohersteller zudem selbst eine Beteiligung an der Rennserie von mehr als 25 Prozent an.

Die Kirch-Gruppe hatte jüngst die Bereitschaft zu Gesprächen mit den Autoherstellern über eine Beteiligung betont. Zugleich hieß es, der Medienkonzern wolle sich nicht in das operative Geschäft einmischen. »Keiner kann gewinnen, wenn er das Asset Formel Eins schwächt oder gar zerstört«, hatte Kirch- Geschäftsführer Hahn unterstrichen. Der Medienkonzern betreibt unter anderem die Privatsender ProSieben, Sat.1 sowie den Pay-TV-Sender PremiereWorld. In Deutschland liegen die TV-Rechte für die Formel Eins noch bis 2003 bei Kirch-Konkurrent RTL.


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