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Nach Corona-Skandal Lidl schmeißt Tönnies-Fleisch aus dem Sortiment - Aldi, Edeka und Co. sind nicht ganz so konsequent

Sehen Sie im Video: Daran erkennen Sie Tönnies-Produkte im Supermarkt. Der Corona-Ausbruch in der Fleischfabrik Tönnies hat gezeigt, dass nicht nur die Tiere der Fleischindustrie unter unwürdigen Bedingungen leben, sondern dass auch die Mitarbeiter unter ausbeuterischen Bedingungen arbeiten. Doch wer wissen will, welche Fleischprodukte im Supermarkt von der Fabrik in Nordrhein-Westfalen stammen, sieht sich einem Problem gegenüber, denn Tönnies verkauft seine Produkte nicht unter dem eigenen Namen. Laut Unternehmenswebsite verlassen jeden Tag 750 Tonnen Frischfleisch und 100 Tonnen Tiefkühl-Fertig-Produkte Tönnies. Das Fleisch findet sich bei Aldi und Lidl, aber auch bei Edeka, Rewe oder Kaufland. Die Produkte von Tönnies heißen bei Lidl etwa "Landjunker“, bei Aldi werden sie unter dem Markennamen "Meine Metzgerei" verkauft. Auch in "Tillman's Toasty", einem "Fleischsnack für den Toaster" steckt Tönnies-Fleisch. Auch die "Zur Mühlen"-Gruppe gehört zum Tönnies-Konzern. Und deren Untermarken lesen sich wie das „Who is who“ der Wurstwaren im Supermarktregal: Astro, Böklunder, Dölling, Gutfried, Hareico, Heine's, Jensen's, Könecke, Lutz, Marten, Naumburger, Plumrose, Redlefsen, Schulte, Vevia, Weimarer, Wilx, Zerbster Original und Zimbo. Wer genau hinschaut findet auf jeder Fleischverpackung einen Code in einem Oval. Steht dort NW 20202 EG, NW 20028 EG, oder NW 20045 EG kommt das Produkt ganz sicher von Tönnies. Das Problem: Wenn Tönnies Fleischprodukte von anderen Firmen weiterverarbeitet werden, ist die Herkunft nicht mehr zu erkennen. 
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Der Discounter Lidl reagiert auf den Corona-Skandal beim Schlachtbetrieb Tönnies und schmeißt Produkte von Tönnies aus dem Sortiment. Auch die Konkurrenz reagiert - allerdings nicht ganz so drastisch.

Der Skandal um dem Coronaausbruch beim Fleischbetrieb Tönnies im nordrhein-westfälischen Rheda-Wiedenbrück hat nun weitere Konsequenzen für das Unternehmen: Der Discounter Lidl kündigte an, auf Produkte der Firma Tönnies zu verzichten. "Um die Warenverfügbarkeit weiterhin zu sichern, bezieht Lidl vorsorglich sein Frischfleisch seit Montag temporär ausschließlich über andere Fleischlieferanten in seinem Lieferantennetzwerk", sagte eine Sprecherin dem Handelsblatt

Laut Tönnies produziert der Betrieb 750 Tonnen frisches Fleisch und 100 Tonnen Tiefkühl-Produkte - und das täglich. Abnehmer sind vor allem die großen Lebensmittelhändler und Supermarktketten. Dass es durch den Wechsel des Fleischbetriebs bei Lidl zu Lieferschwierigkeiten komme könne, schloss die Sprecherin aus.

Auch Discounter-Wettbewerber Aldi zieht Konsequenzen aus dem Tönnies-Skandal. Allerdings kehrt der Lebensmittelhändler dem Unternehmen nicht vollständig den Rücken, sondenr verzichtet lediglich aus Lieferungen vom Hauptstandort in Rheda-Wiedenbrück. Tönnies unterhält weitere Fleischbetriebe in Weißenfels, Sögel, Kellinghusen, Badbergen, Legden und Meppen. Von dort würde Aldi sich nun beliefern lassen. Ähnlich wollen es auch Rewe und Edeka handhaben. Sie wollen ebenfalls kein Fleisch mehr aus dem Kreis Gütersloh verkaufen. Allerdings: Dies wäre derzeit gar nicht möglich, der Produktionsstandort in Rheda-Wiedenbrück ist aktuell geschlossen.

Corona bei Tönnies

Hintergrund ist der massive Coronaausbruch am Standort Rheda-Wiedenbrück mit mehr als 1000 Infizierten. Als Folge mussten im Kreis Gütersloh erneut Schulen und Kitas dichtmachen, Mitarbeiter der Firma wurden in häusliche Quarantäne geschickt. Der Lockdown für den Kreis, der immer noch gilt, wurde von der Regierung in Nordrhein-Westfalen verhängt. Andere Bundesländer reagierten auf den Vorfall, in dem sie den Kreis als Risikogebiet einstufen und Menschen aus dieser Region die Einreise verbieten. 

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