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Discounter: Schwache Umsätze und teure Filialen: Lidls Bauchlandung in den USA

Lidl wollte im großen Stil in den USA starten. Nun zeigt sich: Die Filialen sind zu teuer, die Pläne zu ambitioniert und die Umsätze schwer enttäuschend. Der Discounter muss sich eine herbe Schlappe eingestehen.

Lidl in den USA

Lidl-Filiale in den USA

Das hatte sich Lidl anders vorgestellt: Statt einer Erfolgsgeschichte bei der Markteroberung in den USA muss der Discounter eine Bauchlandung einräumen. Eigentlich sollten gleich im ersten Jahr 100 Filialen an der Ostküste ihre Pforten öffnen. Doch nun zeigt sich, dass bis Ende 2017 gerade einmal 47 Läden eröffnet wurden. Und auch in diesem Jahr klemmt der Ausbau. Lediglich 20 neue Filialen werden 2018 öffnen. Kurz gesagt: Für Lidl sind die USA offensichtlich nicht das Land der unbegrenzten Möglichkeiten.

Während hierzulande die Marktsättigung durch Discounter das Wachstum belastet und die weitere Expansion stottert, steht die Discounterlandschaft in den USA noch am Anfang. Hier witterte Lidl satte Geschäfte. Doch ganz so einfach wird es nicht gehen. Und: Ausgerechnet der Erzrivale Aldi hat in den USA die Nase schon lange vorn.

Aldi in den USA

Aldi ist schon seit rund 40 Jahren auf dem US-Markt. Mit den zwei Einzelhandelsketten Aldi (Aldi Süd) und Trader Joe's (Aldi Nord) hat sich die deutsche Discountergruppe über die USA verteilt. Rund 1600 Filialen betreibt die Aldi-Gruppe jenseits des Atlantiks. Ein lohnendes Geschäft, denn in den USA kann der Discounter stärker wachsen als auf dem Heimatmarkt. Während Aldi in Deutschland mit einer Vielzahl von Wettbewerbern um Kunden buhlen muss, gilt der Discounter in den Staaten noch als eher klein. Und besetzt erfolgreich eine Nische: Lange mussten sich die Amerikaner zwischen Qualität oder günstigen Preisen entscheiden. Das Angebot von Aldi kommt gut in den USA an.

Lidl erlebt "Debakel"

Von diesem Wachstum wollte auch Lidl profitieren und kündigte seinen Marktstart zum Sommer 2017 an. Doch nun rudert der Discounter zurück. "Wenn man einen Fehler erkennt, muss man ihn korrigieren", zitierte das "Manager Magazin" Klaus Gehrig, Leiter der Schwarz-Gruppe zu der Lidl gehört. Dem Blatt zufolge sind die Umsätze bislang enttäuschend, extrem junge Expansionsteams würden zudem oftmals falsche Standorte aussuchen - kurzum: der Markteintritt entwickle sich zum "Debakel".

Jetzt wird eingelenkt. Das Filialwachstum wird eingedampft, statt teurer Glastempel auf der grünen Wiese sollen kleinere Geschäfte in regionalen Zentren eröffnen. "Wir möchten größtmögliche Flexibilität in unserer Standortauswahl und für unsere Immobilienteams", hieß es dazu von Lidl. Eine stetige Überprüfung des Portfolios sei branchenüblich.

Braucht der US-Markt überhaupt Lidl?

Für Lidl zeigt sich: Der US-Markt ist nicht so einfach zu erobern wie erhofft. Shopping-Riesen wie Walmart, Kroger's oder Target konkurrieren mit Billigketten wie Dollar General, Dollar Tree oder Family Dollar um die günstigsten Preise. Allein Walmart betreibt mehr als 5200 Geschäfte, dazu kommen noch rund 3500 Supercenter, gut 440 Discounterläden und rund 670 Kioske und Kleinstgeschäfte.


Doch Lidl will die Vollbremsung nicht als Scheitern verstanden wissen. "Wir sind in unserer Arbeit grundsätzlich nicht auf die kurzfristige Entwicklung ausgerichtet, sondern streben ein nachhaltiges Wachstum an", teilte ein Sprecher auf Nachfrage von dpa mit. Insgesamt sei der Marktstart in den USA nach eigenem Dafürhalten erfolgreich verlaufen - auch wenn es an der einen oder anderen Stelle Anpassungsbedarf gebe.

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kg mit Agentur