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Expansion: Aldi gegen Lidl: Der Discounterkrieg wird nicht in Deutschland ausgefochten

Aldi und Lidl buhlen in Deutschland um die gleiche Käufergruppe. Nun könnte sich dieser Wettstreit verlagern, denn Lidl will schon im Sommer in den USA durchstarten. Dort ist Aldi längst vertreten. 

Aldi und Lidl im Discounterkrieg

Aldi ist schon in den USA vertreten, Lidl will im Sommer in Amerika starten.

Im September 2016 war es soweit: Beim Kundenmonitor von Servicebarometer konnte Lidl den Erzfrivalen vom Siegerpodest schubsen. Erstmals steht nun der Discounter der Schwarz-Gruppe bei der Kundenzufriedenheit ganz oben. Allerdings ist der Sieg hauchdünn, nur Nachkommastellen trennen Lidl und Aldi. Mal wieder.

Deutschlands Discounterlandschaft wird von den Platzhirschen Aldi und dominiert. Norma, Penny und Co. haben kaum Chancen, aufzuschließen. 2016 überholte Lidl die Aldi-Gruppe aber nicht nur bei der Kundenzufriedenheit, sondern auch beim Umsatz. Die Schwarz-Gruppe, zu der auch Kaufland gehört, erwartet für das aktuelle Geschäftsjahr einen Gesamtumsatz von bis zu 94 Milliarden Euro. Rund 70 Milliarden soll Lidl in die Kasse spülen - absoluter Rekord. Die Aldi-Gruppe kommt auf rund 62 Milliarden Euro.

Discounterkrieg in den USA

Doch offenbar ist Lidl die Expansion in Deutschland nicht genug. Den Discounter zieht es in die . Dort hat sich Aldi schon vor gut 40 Jahren breit gemacht. Mit den zwei Einzelhandelsketten Aldi (Aldi Süd) und Trader Joe's (Aldi Nord) hat sich die deutsche Discountergruppe über die USA verteilt. Rund 1600 Filialen betreibt die Aldi-Gruppe jenseits des Atlantiks. Ein lohnendes Geschäft, denn in den USA kann der Discounter stärker wachsen als auf dem Heimatmarkt. Während Aldi in Deutschland mit einer Vielzahl von Wettbewerbern um Kunden buhlen muss, gilt der Discounter in den Staaten noch als eher klein. Und besetzt erfolgreich eine Nische: Lange mussten sich die Amerikaner zwischen Qualität oder günstigen Preisen entscheiden. Das Angebot von Aldi kommt gut in den USA an.

Nun hat Lidl angekündigt, die geplante Expansion in den USA vorzuziehen. Bislang gibt es zwar schon eine amerikanische Firmenzentrale von Lidl, Märkte hat der Discounter aber noch nicht eröffnet. Das soll im Sommer geschehen. Ein Schritt von Bedeutung: "Der Markteintritt von Lidl wird eines der größten Ereignisse für den US-Einzelhandel in den kommenden Jahren sein“, sagt Einzelhandelsexperte Mike Paglia von Kantar Retail der "Washington Post".

Aldi und Lidl in Großbritannien

Was passiert, wenn Aldi und Lidl einen Markt in die Zange nehmen, kann man nicht nur in beobachten, sondern auch in Großbritannien. Dort machen die beiden Discounter dem britischen Einzelhändler Tesco das Lebens schwer. Erst Ende Januar kaufte Tesco den Großhändler Booker für 4,3 Milliarden Euro, um sich gegen Aldi und Lidl zur Wehr zu setzen. Die beiden deutschen Discounter kommen auf der Insel auf einen Marktanteil von knapp zehn Prozent. Laut aktueller Untersuchungen verdoppelten Aldi und Lidl den Marktanteil innerhalb von drei Jahren. Ein Ende des Booms ist nicht in Sicht.

Wie Aldi und Lidl den Einzelhandel in den USA verändern werden

In Deutschland hatten die beiden Platzhirsche - ähnlich wie in Großbritannien - mit einem Preiskampf Druck auf den Markt ausgeübt. Hartnäckig drehen die Discounter an der Preisschraube und bieten Produkte zu sehr günstigen Preisen an. Wettbewerber müssen sich diesem Preisdiktat beugen und mitziehen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Mit dem Markteintritt in den USA könnte Lidl eine vergleichbare Situation schaffen. 

Discounter-Offensive: Lidl macht die Filialen schick
Lidl: Neue Filiale Außenansicht

Lidl wird schick: Viel Glas, helleres Ambiente und mehr Platz für Kunden sollen dem Discounter ein neues Image geben. 

Allerdings: Zunächst startet Lidl nur mit 150 Filialen entlang der Ostküste. Bis eine ernstzunehmende Marktmacht aufgebaut ist, wird Zeit vergehen. Aldi hat vier Jahrzehnte gebraucht, um auf gerade einmal 1600 Läden zu kommen. Zum Vergleich: Allein Walmart betreibt mehr als 5200 Geschäfte, dazu kommen noch rund 3500 Supercenter, gut 440 Discounterläden und rund 670 Kioske und Kleinstgeschäfte. Dennoch: Die deutschen Discounter werden die amerikanische Einzelhandelswelt verändern. "Der große Erfolg von Aldi und Lidl in Großbritannien ist eine Warnung an die Industrie", schreibt das US-Wirtschaftsmagazin "Forbes". "Es ist an der Zeit, dass die amerikanischen Lebensmittelhändler auf diese Bedrohung aufmerksam werden."

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