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Neue Werbestrategie Ende des Bruderstreits? Warum Aldi Süd und Aldi Nord zusammenrücken

Aldi Süd und Aldi Nord: Das Ende des Geschwisterkriegs?
Aldi Nord und Aldi Süd gehen bislang getrennte Wege.
© picture alliance/chromorange
Sie teilen sich den Namen Aldi, doch die Discounter-Imperien Nord und Süd gingen lange getrennte Wege. Nun präsentieren sie sich gemeinsam in einem Werbespot. Dafür gibt es gute Gründe. 

Mit dem Slogan "Aldi - einfach ist mehr" wirbt Deutschlands größter Discounter nun auch im Fernsehen. Ab Sonntag kommt der Spot im TV, Montag läuft auch im Radio Werbung. Und sogar ins Kino bringt Aldi seine Werbefilmchen. Das ist alles neu. Doch nicht nur der umfangreiche Schritt in die Werbung überrascht, sondern auch, dass Aldi Süd und Aldi Nord die Reklameoffensive gemeinsam umsetzen. 

Bislang tragen zwar beide Discounter-Imperien den Namen Aldi. Doch selbst bei der Umsetzung der Billigheimer-Strategie gingen Aldi Süd und Aldi Nord einen eigenen Weg. Seit 1961 teilten die Gebrüder Albrecht das Geschäft in zwei Hälften. Warum genau der Discounter aufgesplittet wurde, ist unbekannt. Inzwischen gibt es mehr als 2500 Aldi-Nord-Filialen, Aldi-Süd kommt auf rund 1860. Unterschiede gibt es vor allem beim Sortiment und bei den Aktionsartikeln. Lange Zeit galt der südliche Aldi als deutlich komfortabler und besser ausgestattet. So konnten Kunden schon ab 2009 frische Backwaren beim Discounter kaufen. Aldi Nord zog erst 2011 nach. Doch inzwischen sind die großen Unterschiede angeglichen, Aldi Nord hat nachgezogen.

Hinter den Kulissen arbeiten die beiden Aldi-Imperien durchaus eng zusammen - vor allem beim Einkauf, weshalb das Sortiment ähnlich ist. In der Außendarstellung kämpfte dagegen jeder für sich. Bis jetzt.

Ein Name, zwei Unternehmen

Für den Schritt gibt es gute Gründe. So sind die zwei Unternehmen in den Köpfen vieler Verbraucher nur eines. Aldi eben - die Unterscheidung in Nord und Süd könnte auch als eine Aufteilung in Regionalaktivitäten des Konzerns durchgehen. Unterschiedliche Angebote - aber eben doch eher ein Discounter. Und der bekommt Konkurrenz, sowohl im Norden als auch im Süden. 

Die Supermärkte wie Rewe und Edeka konnten im vergangenen Jahr Marktanteile zurückerobern. Laut der Gesellschaft für Konsumforschung wuchs Edeka im Lebensmittelverkauf 2015 um 2,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Rewe macht sogar ein plus von 4,9 Prozent. Offenbar geben die Menschen wieder mehr Geld für ihre Lebensmittel aus. Kein gutes Zeichen für die Discounter.

Aldi setzt auf neue Filialen und Markenprodukte

Aldi (und zwar Nord und Süd) ging in die Offensive und räumte immer mehr Markenprodukte in die eigenen Regale - und das zu günstigeren Preisen. Durchschnittlich vier Prozent können Kunden sparen. Bei einigen Artikel sogar noch deutlich mehr. Die neu in die Regale aufgenommenen Marken tragen dazu bei, "dass die Umsätze des Händlers wieder steigen", heißt es im aktuellen "Consumer Index" der GfK. Besonders wichtig für Aldi: Mit der neuen Markenstrategie spricht der Discounter jüngeres Publikum an. Auch die neu gestalteten Filialen setzen auf die Entwicklung. Man will den Kunden etwas bieten - und zwar im Süden und im Norden.

Werbung im Fernsehen, Kino oder Radio setzt die Strategie fort, eine jüngere Zielgruppe in die Läden zu locken. Dafür tun sich die autonom voneinander arbeitenden Geschwisterfirmen erstmals zusammen. Ob der Schritt strategisch aufgeht? "Handelsblatt"-Herausgeber Gabor Steingart witzelte in seinem täglichen Newsletter: "So funktioniert Innovation: Wahrscheinlich macht Aldi in zehn Jahren die erste Großkampagne im Internet."


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