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Lokführer-Streik: Dreistellige Millionenverluste pro Tag

Bald streiken die Lokführer im Güterverkehr. Davon wird der normale Bahnreisende nur wenig mitbekommen - dafür aber die Wirtschaft, so Experten. Zwei- bis dreistellige Millionenverluste seien pro Tag drin, heißt es. Die Bahn-Gewerkschaft Transnet hält die Forderungen der Lokführer für überzogen.

Der Vorsitzende der Bahngewerkschaft Transnet, Norbert Hansen, hat die Forderungen der Lokführer-Gewerkschaft GDL kritisiert und eine Verrohung der Sitten beklagt. "Wir erhalten anonyme Briefe und E-Mails von angeblichen GDL-Mitgliedern. Das reicht von Beschimpfungen bis hin zu Morddrohungen", sagte Hansen der "Neuen Presse".

Transnet hat eine Lohnerhöhung von 4,5 Prozent mit der Bahn AG vereinbart. Die GDL fordert 31 Prozent. Hansen beklagte, der Friede sei nachhaltig gestört. "Es kam bereits zu schrecklichen Szenen im Betrieb." Er bezeichnete die Forderungen der Lokführer als überzogen und aus der Luft gegriffen. Der GDL-Vorsitzende Manfred Schell wolle mit aller Gewalt einen Spartentarifvertrag durchsetzen, um seine eigene Macht zu stärken.

Auch andere Tarifverträge neu verhandeln

Hansen sagte zudem, dass der von den Gewerkschaften Transnet und GDBA abgeschlossene Tarifvertrag neu verhandelt werden müsste, wenn die GDL einen höheren Abschluss erzielen würde. Er sei jedoch überzeugt, dass die GDL nicht mehr erzielen werde. Bahnchef Hartmut Mehdorn könne es sich nicht erlauben, die Lokführer dafür zu belohnen, dass sie ihre Organisationsmacht gegen die Interessen der Gemeinschaft stellten. Die GDL-Mitglieder haben für einen unbefristeten Streik gestimmt und wollen zuerst im Güterverkehr ab Donnerstag in den Ausstand treten.

Die deutsche Unternehmen müssen sich nach Einschätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) wegen der angekündigten Streiks der Lokführer auf erhebliche Verluste einstellen. Komme es zu flächendeckenden Arbeitsniederlegungen bei der Güterbeförderung, "wären durchaus zwei- bis dreistellige Millionenbeträge pro Tag fällig", sagte DIW-Verkehrsexpertin Claudia Kemfert sagte der "Frankfurter Rundschau".

Während Betriebe der Nahrungsmittelbranche im Notfall noch auf Lkw umsteigen könnten, seien insbesondere die Stahlhersteller und Metallverarbeiter "stark auf die Bahn angewiesen". Müsse die Produktion gestoppt werden, könnten sehr schnell hohe Kosten anfallen. Große Unternehmen befürchten bereits Auswirkungen auf die Produktion. Bei einer längeren Blockade könne es Engpässe bei der Rohstoffversorgung geben, hatte der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) mitgeteilt.

"Streik für zwei, drei Tage überbrücken"

BME-Verbandsgeschäftsführer Holger Hildebrandt sagte, die meisten Unternehmen könnten einen Streik von ein bis zwei Tagen überbrücken. "Danach wird sich der Versorgungsengpass auf die Produktivität auswirken." Ein Sprecher der Salzgitter AG sagte: "Für die Stahlindustrie ist das Verkehrsaufkommen, das wir mit der Bahn haben, gewaltig." Auch den Autobauer Volkswagen würde ein Arbeitskampf treffen. "Wir nehmen den Streik mehr als ernst", sagte ein Sprecher. Die Bahn will die Folgen für ihre Kunden möglichst gering halten, vor allem für wichtige Branchen wie Energieversorgung und Autoindustrie.

Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) forderte beide Tarifparteien erneut zu Kompromissbereitschaft auf. Eine Lösung sei nur möglich, "wenn Extrempositionen verlassen werden", sagte er der "Saarbrücker Zeitung".

DPA / DPA