Lufthansa Der Kranich wildert im Billigrevier

Die Fluggesellschaft Lufthansa hat durch Billigfluglinien deutliche Konkurrenz bekommen. Nun kontert sie mit besonderen Premiumangeboten - und der Taktik der Konkurrenten.

Das Schnäppchen-Prinzip der Billigflieger hält jetzt auch bei der Lufthansa auf breiter Front Einzug. Die Preise von 99 Euro für Hin- und Rückflug für eine begrenzte Zahl an Tickets sollen vor allem langfristig planende Privatreisende ansprechen. Damit das Geschäft aber stimmt, müssen auch eine ganze Reihe Reisender teurere Tickets kaufen. Schließlich kann es sich auch Lufthansa nicht leisten, dass angesichts der rasant gestiegenen Ölpreise die Durchschnittserlöse ins Bodenlose sacken.

"Wettbewerb beflügelt", sagte Lufthansa-Vorstandsvorsitzender Wolfgang Mayrhuber am Donnerstag in Frankfurt bei der Bilanzvorlage. In den vergangenen Jahren hatte die größte deutsche Fluggesellschaft maßgeblich ihr Luxus-Angebot ausgeweitet - mit einem First-Class-Terminal in Frankfurt, dem Privatchauffeur zum Flieger oder auch mit individuellen Flügen im Privatjet. "Die Zahlen zeigen uns, dass unsere Premiumstrategie aufgeht", sagte Mayrhuber. Schließlich sei die Zahl der First-Class-Gäste im vergangenen Jahr um 20 Prozent gestiegen.

Lufthansa kontert gegen Billigflieger

Doch auf ein Konzept gegen den wachsenden Druck der Billigflieger auf den innereuropäischen Strecken hatten Beobachter lange gewartet. Schließlich wachsen Ryanair und ähnliche Billiganbieter seit Jahren mit deutlich höheren Raten als Lufthansa. Und das innereuropäische Netz ist für die Lufthansa unverzichtbar, weil die als sehr profitträchtig geltenden Langstreckenflüge ein dichtes Netz an Zubringerflüge benötigen. "In diesem Jahr werden wir uns verstärkt auf den Kontinentalverkehr fokussieren", sagte Mayrhuber.

Vom 3. April an bietet Lufthansa deshalb jeden Monat im Schnitt 350.000 Sitzplätze für 99 Euro plus 10 Euro Ticketgebühr auf allen europäischen Strecken an. Wie groß der Billig-Anteil damit ist, wollte das Unternehmen nicht sagen, zumal die Berechnungen wegen den Anschlussflügen schwierig seien. Schätzungen liegen bei rund zehn Prozent - schließlich hatte Lufthansa vergangenes Jahr rund 40 Millionen Fluggäste im Europaverkehr.

Günstige Angebote von großen Flughäfen

Das jetzt vorgelegte Konzept wurde in den vergangenen Monaten bereits in Hamburg und in Düsseldorf getestet. Im Vergleich zum Vorjahr gebe es in Hamburg 3000 Gäste mehr pro Tag, damit sei die Nachfrage um 40 Prozent gestiegen, hatte Lufthansa-Vertriebschef Thierry Antinori bei der Tourismusbörse ITB in Berlin erklärt. Allerdings hatte Lufthansa in Hamburg auch die Flotte deutlich ausgeweitet und zusätzliche Flugzeuge in der Hansestadt stationiert. Und im Gegensatz zu Billigfliegern bietet Lufthansa ihre Flüge auch von den großen Flughäfen nahe der Metropolen zu "Schnäppchen-Preisen" an, während klassische Billigflieger eher preiswerte Regional-Airports ansteuern.

Die Grundidee der Schnäppchen-Angebote lautet, dass mit einem niedrigeren Preis zusätzliche Kunden gewonnen werden können, die sonst gar nicht geflogen wären. Doch die Werbung mit den niedrigen Einstiegstarifen birgt auch Gefahren: Wenn die Kundschaft sich an den Preis gewöhnt hat, könnte kaum mehr jemand den teureren Normalpreis zahlen wollen: "So zerstört man die Preisempfindung der Kunden", hatte etwa der Präsident des Deutschen Reise Verbandes, Klaus Laepple, erklärt und angesichts von 1-Cent-Angeboten vor einem "kollektiven Suizid" der Branche gewarnt. Und bei einer Absenkung der Einstiegstarife bei Lufthansa müssten normalerweise die übrigen Tickets im Preis steigen. Doch das kündigte Mayrhuber nicht an: "Nach oben sehe ich den Spielraum limitiert."

Rochus Görgen/DPA DPA

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