Lufthansa Passagiersparte wird dezentralisiert


Die Lufthansa krempelt mit der Passagierbeförderung ihre wichtigste Konzernsparte um: Drei neue Stationsleiter übernehmen Aufgaben, die zuvor zentral geregelt waren. Chef Wolfgang Mayrhuber verspricht sich Einsparungen.
Von Jenny Genger

Dazu werden jeweils die Flughafen-Drehkreuze Frankfurt und München sowie alle sogenannten dezentralen Standorte - also die restlichen elf deutschen Flughäfen, an denen die Lufthansa startet - nun zu komplett eigenständigen Organisationen ausgebaut. Den dafür zuständigen drei Stationsleitern wird dabei deutlich mehr Verantwortung übertragen: Unter ihnen werden die 250 Flugzeuge der Lufthansa Passage aufgeteilt, die sie dann ausschließlich in ihrem Bereich einsetzen. Für die Flugplansteuerung werden 100 Mitarbeiter aus der Zentrale in die drei Bereich wechseln.

Prozessabläufe massiv verändert

Mit dieser Neuordnung verändert die zweitgrößte europäische Fluggesellschaft ihre Prozessabläufe massiv. Den Umbau hat die Lufthansa vor gut zwei Wochen auf einer Mitarbeiterveranstaltung bekannt gegeben. Der Konzern wolle damit "seine bisherige funktional-zentrale Organisation für ein weiteres erfolgreiches Wachstum rüsten", bestätigte der für den Umbau zuständige Lufthansa-Manager Oliver Barthelmeh der FTD. Daraus würden nach Angaben des Projektleiters "mittel- und langfristig auch Kostensenkungen erwartet".

Der Konzern entzerrt damit die komplexe Steuerung seines Passage-Geschäfts, das 2005 den Transport von über 50 Millionen Fluggästen zu 187 Zielen koordiniert hat. Die Sparte beschäftigt rund 30.000 Mitarbeiter und hat zuletzt 42 Prozent zum Konzernumsatz beigesteuert. Das neue Modell startet Anfang 2007. Dann wird zunächst der Europa-Verkehr darauf umgestellt; zum Sommerflugplan folgt mit den Interkontinentalstrecken der Rest.

Mayrhuber delegiert Aufgaben

Mit diesem Schritt leitet Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber auch Änderungen in seiner Führungsstruktur ein. Mit dem Umbau delegiert er wichtige Aufgaben an die drei Stationsleiter (Hubmanager) auf der dritten Hierarchiestufe. Das sind die seit Jahren von Mayrhuber geförderten Topmanager Karl-Rudolf Rupprecht (Frankfurt), Ulrich Garnadt (München), und Christoph Klingenberg (dezentrale Stationen). "Es hat sich als sehr sinnvoll erwiesen, Arbeitsprozesse und Entscheidungskompetenz und damit Verantwortung zum Hubmanagement zu verlagern", so Barthelmeh. Als erfolgreiches Vorbild für das neue Modell gilt das "Programm Hamburg", bei dem Klingenberg die neuen Prozessabläufe seit einem Jahr testet.

Allerdings verschieben sich durch diese Neuverteilung auf der zweiten Ebene bei den Bereichsvorständen die Kompetenzbereiche deutlich: Vor allem Holger Hätty gibt einen Großteil des Netzmanagements, seinem wichtigsten Bereich, ab. Ihm bleibt daraus nur ein Teil zur strategischen Steuerung, sowie die Bereiche IT und Einkauf. Als Gewinner steht sein Kollege, Carsten Spohr, da, dem neben Service und Personal auch die drei gestärkten Hubmanager unterstehen. Auch Bereichsvorstand Thierry Antinori, der für Marketing und Vertrieb zuständig ist, profitiert: Er wird künftig von Hätty die Preissteuerung übernehmen.

Weitere Veränderungen vermutet

Damit hat sich das Machtgefüge unter den Bereichsvorstände sehr unausgewogen verschoben. Deshalb wird in Konzernkreisen vermutet, dass die Lufthansa ihre Führungsstruktur möglicherweise noch weiter verändern wird. Die Gelegenheit würde sich nun anbieten, zumal der vierte Bereichsvorstand, Carl Sigel, im März 2007 seinen Job altersbedingt aufgeben wird. Der 48-jährige Hätty könnte möglicherweise auf den Vorstandsvorsitz der Lufthansa Cargo wechseln, der seit Anfang 2006 vakant ist. Das vermuten Lufthansa-Manager. Zudem könne Mayrhuber dann möglicherweise auch wieder ein eigenes Vorstandsressort für die Passage-Sparte schaffen, heißt es weiter. Deren Kontrolle hatte er bei der Ernennung zum Vorstandschef nicht abgegeben. Für diesen Posten werde der ehemalige Lufthansa-Manager und heutige Swiss-Chef, Christoph Franz, als heißer Kandidat gehandelt, heißt es intern. Dazu wollte Mayrhuber sich am Donnerstag nicht äußern.

FTD

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