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Lufthansa-Tarifstreit: Ufo hält Einigung für "einen Witz"

Die Lufthansa hat sich mit der Gewerkschaft Verdi im Tarifstreit geeinigt - allerdings nur für das Bodenpersonal. Die meisten Kabinenmitarbeiter werden aber von der Unabhängigen Flugbegleiter Organisation vertreten - und für die ist die Einigung ein Witz. Warum, sagt Ufo-Tarifleiter Joachim Müller im stern.de-Interview.

Für die Urlauber war es eine gute Nachricht: Nach knapp einer Woche Arbeitskampf haben Lufthansa und die Gewerkschaft Verdi ihren Tarifsteit beigelegt. Der unbefristete Streik soll umgehend beendet werden, die Mitarbeiter dürfen sich in einem ersten Schritt über 5,1 Prozent mehr Lohn freuen. Doch halt! Die vereinbarte Lohnerhöhung gilt "nur" für die 34.000 Mitarbeiter am Boden. Die meisten Mitarbeiter des Kabinenpersonals werden hingegen von der Unabhängige Flugbegleiter Organisation (Ufo) vertreten. Und die wollen der Einigung nicht zustimmen. Die Gründe erklärt Joachim Müller, Leiter des Bereichs Tarifpolitik + Recht, im Interview mit stern.de.

Herr Müller, stimmt die Ufo der Tarifeinigung zwischen Lufthansa und Verdi zu?

Nein, natürlich nicht. Da kann man gar nicht zustimmen. Wenn Sie das Ergebnis auf die Laufzeit des Tarifvertrags umrechnen - und das ist ja das entscheidende - dann gibt es eine Lohnerhöhung von 4,1 Prozent pro Jahr. Wir haben aber allein 2008 eine Inflationsrate von rund vier Prozent - das kann es also wirklich nicht sein.

Entwickelt sich jetzt die Ufo zur GDL der Lufthansa?

Das wird Fachgewerkschaften immer unterstellt. Ich darf aber in Erinnerung rufen, dass es auch schon vor der GDL (Gewerkschaft der Lokomotivführer) den Marburger Bund bei den Klinikärzten gab. Und es ist selbstverständlich die Aufgabe und das gute Recht jeder Fachgewerkschaft, für ihre Klientel das bestmögliche Ergebnis am Tariftisch zu erreichen.

Ihr "Nein" verhindert also einen Abschluss für das Kabinenpersonal?

Tatsächlich gibt es zunächst keinen Abschluss für das Kabinenpersonal - also nicht mit Verdi. Später aber dann mit uns. Zur Erklärung: Für die Gewerkschaft Verdi ist die Kabine eine Pflichtübung. Ihr Hauptaugenmerk liegt auf dem Bodenpersonal. Wir aber vertreten allein bei der Lufthansa und ihrer Tochter Condor rund 8000 Mitglieder des Kabinenpersonals. Allerdings haben wir noch einen bis zum Jahresende laufenden und somit gültigen Tarifvertrag.

Sie bleiben also bei Ihren Forderungen?

Ja! Wir verlangen 15 Prozent mehr Lohn bei einer Laufzeit von zunächst 12 Monaten. Die Lufthansa hatte uns ursprünglich angeboten, den Tarifvertrag vorzeitig zu beenden, damit wir an diesem Tarifgesprächen teilnehmen und eine Tarifeinheit gegeben ist. Ich habe mich dafür intern auch gegen Widerstände stark gemacht, denn es ist nicht immer ein Vorteil, wenn man zusammen mit Verdi verhandelt. Aber als die Lufthansa mitbekommen hat, wie viel Gehaltszuwachs wir verlangen, haben sie den Tarifvertrag weiter laufen lassen. Und dass wir in der Friedenspflicht mitverhandeln wollten wir nicht. Wir sollten also am Katzentisch sitzen und warten was rauskommt...

Wie werden Ihre nächsten Schritte aussehen?

Das Thema ist für uns erstmal vom Tisch. Wir warten jetzt auf das Auslaufen unseres Tarifvertrages. Und der gilt wie gesagt noch fünf Monate - diese Zeit geht erfahrungsgemäß schneller vorbei, als man denkt. Wenn die Lufthansa jetzt auf uns zukäme, um diese Laufzeit zu verkürzen, würden wir das natürlich annehmen - aber das werden sie nicht tun.

Interview: Karin Spitra