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Machtkampf bei Porsche: Wiedeking schießt gegen Piëch

Schlechte Nachrichten von Porsche: Der hoch verschuldete Sportwagen-Hersteller muss in den ersten neun Monaten einen Rückgang bei Umsatz, Absatz und operativem Ergebnis verkraften. Allein der Umsatz brach um 15 Prozent ein. Außerdem sorgt eine öffentliche Schlammschlacht zwischen Porsche-Boss Wiedeking und Miteigner Ferdinand Piëch für Schlagzeilen.

Unmittelbar vor der Präsentation der Geschäftszahlen hatten neue Details über einen Machtkampf hinter den Porsche-Kulissen für Aufregung gesorgt. Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" wirft Konzernchef Wendelin Wiedeking dem Miteigentümer Ferdinand Piëch vor, Porsche mit öffentlichen Attacken möglicherweise schwer geschadet zu haben. Dafür müsse Piëch notfalls "persönlich haften", warne Wiedeking in einem Brief, der bereits vom 13. Mai stamme.

Es sei in der deutschen Wirtschaftsgeschichte ein äußerst ungewöhnlicher Fall, dass der Vorstandschef eines der bekanntesten Konzerne dessen Miteigentümer mit harten Worten zur Ordnung rufe und ihm sogar mit Schadenersatzforderungen drohe. In dem Brief verwahrt sich Wiedeking gegen Attacken von Piëch, der als Großaktionär und Aufsichtsrat bei Porsche maßgeblichen Einfluss auf den Sportwagen- Hersteller hat. Als VW-Aufsichtsratschef bestimmt er zudem auch die Geschicke des Wolfsburger Konzerns mit.

Der Brief sei eine Antwort auf die Attacken von Piëch gegen Wiedeking bei der Präsentation des neuen VW Polo kurz zuvor im Mai auf Sardinien gewesen. Piëch habe nach Angaben aus Konzernkreisen Wiedekings Vorwürfe in einem Schreiben zurückgewiesen und erklärt, er habe Porsche nicht geschadet, berichtete die Zeitung. Üblicherweise würde eine solche Auseinandersetzung zur sofortigen Entlassung des Chef-Angestellten führen. "Offenbar aber kann Piëch eine Ablösung von Wiedeking nicht durchsetzen", schreibt die "Süddeutsche Zeitung". Dieser werde von der Familie Porsche gestützt, dem anderen Großaktionär neben der Piëch-Familie.

Seit Wochen tobt ein Machtkampf zwischen Porsche und VW - Gespräche über ein Zusammengehen stocken. Porsche hatte sich bei der geplanten Übernahme von Europas größtem Autobauer VW verhoben und kämpft mit einem riesigen Schuldenberg von rund neun Milliarden Euro. Zur Behebung der Milliarden-Finanzierungslücke setzt Porsche auf einen Kredit über 1,75 Milliarden Euro von der staatliche KfW-Gruppe - hierüber ist aber noch nicht entschieden worden. Zudem führen die Stuttgarter derzeit Gespräche über einen Einstieg des finanzstarken Emirats Katar.

Vor dem Hintergrund der Schlammschlacht der beiden Porsche-Alpha-Tiere geriet die Veröffentlichung der neuen Geschäftszahlen beinahe zur Nebensache. Dabei sind diese wie erwartet düster ausgefallen. Demnach hat Porsche in den ersten neun Monaten seines Geschäftsjahres (Ende Juli) ohne seine VW-Beteiligung einen Rückgang bei Umsatz, Absatz und operativem Ergebnis hinnehmen müssen. Der Umsatz sank im Vergleich zur Vorjahresperiode von August bis April um 15 Prozent auf 4,6 Milliarden Euro, wie das Unternehmen am Freitag in Stuttgart mitteilte. Das operative Ergebnis lag unter dem Vorjahr. Dagegen sei das Ergebnis aus VW-Aktienoptionsgeschäften durch den hohen Kurs der VW- Stammaktie "deutlich angestiegen". Bereits in den Vorjahren hatte Porsche keine genauen Zahlen bekannt gegeben, sondern nur eine Tendenz.

Der Absatz der Baureihen 911, Boxster/Cayman und Cayenne ging im Zuge der allgemeinen Branchenkrise um 27,6 Prozent auf 53.635 Sport- und Geländewagen zurück. Besonders stark fiel wegen des Modellwechsels im Februar der Rückgang beim Boxster/Cayman aus. Für das gesamte Geschäftsjahr rechnet der Konzern im Vergleich zum Vorjahr mit einem geringeren Absatz und Umsatz.

DPA / DPA