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Machtkampf: Infineon-Chef tritt ab

Nach wochenlangen Querelen tritt der Chef des Halbleiterkonzerns Infineon, Wolfgang Ziebart, von seinem Amt zurück. Sein Nachfolger wird Vorstandskollege Peter Bauer. Der Aufsichtsratschef soll die Ablösung von Ziebart betrieben haben.

Der angeschlagene Halbleiterkonzern Infineon hat seinen Vorstandschef Wolfgang Ziebart gefeuert und Vorstandsmitglied Peter Bauer zum Nachfolger berufen. Ziebart gebe "auf Grund unterschiedlicher Auffassungen über die zukünftige strategische Ausrichtung des Unternehmens" sein Amt zum 1. Juni auf, teilte Infineon mit. Damit nehmen wochenlange Querelen ein Ende. Aufsichtsratsratschef Max Dietrich Kley, der in den vergangenen Tagen ebenfalls in die Kritik geraten war, habe das Kontrollgremium einstimmig das Vertrauen ausgesprochen.

Kley hatte Ziebart vor vier Jahren vom Autozulieferer Continental an die Spitze von Infineon geholt. Ziebarts Vertrag lief noch bis September 2009. Aber unter ihm hatte der Halbleiterkonzern seit 2005 wieder nur rote Zahlen geschrieben. Im ersten Quartal riss die kriselnde Speicherchiptochter Qimonda, die Ziebart ausgegliedert hat und erfolglos zu verkaufen versuchte, erneut mit 1,37 Milliarden Euro in die Verlustzone.

Peter Bauer, der zuletzt die erfolgreiche Industrie- und Automobilchip-Sparte von Infineon geleitet hat, soll nun ein neues Sparprogramm zur Steigerung der Margen umsetzen und die strategische Neuausrichtung beschleunigt umsetzen, sagte Kley. Dazu gehörten konsequentes Portfoliomanagment, Effizienzstiegerung in der Organisation und die stärkere Senkung der Herstellkosten.

Das aus dem Siemens-Konzern hervorgegangene Unternehmen beschäftigt derzeit noch rund 43.000 Mitarbeiter und setzt jährlich 7,7 Milliarden Euro um. Der Konzern will bis 2009 nur noch einen Minderheitsanteil an Qimonda halten. Zuletzt hatten auch Gerüchte die Runde gemacht, Infineon könne Übernahmeziel werden oder hege Pläne zu einer Fusion mit NXP, der früheren Halbleitersparte von Philips. Der 47-jährige Bauer sagte: "Infineon verfügt auf vielen Gebieten über eine hervorragende Technologie- und Marktposition. Wenn wir uns mit unseren Ressourcen noch stärker fokussieren und die notwendigen Maßnahmen kompromisslos und schnell umsetzen, dann sehe ich gute Chancen für eine erfolgreiche Zukunft. Die strategischen Weichenstellungen wurden in den vergangenen Jahren getroffen. Aber wir müssen die gemeinsam festgelegten Vorgaben nunmehr Punkt für Punkt und ohne Verzug abarbeiten bzw. erweitern."

AP/DPA / AP / DPA