MÄRKTE Kursgemetzel an der Börse


Schlimme Kursverluste: Der Dax landete am tiefsten Stand seit zwei Jahren, der Nemax 50 rutschte gar unter die 1000-er Marke.

Deutliche Kursverluste bei den Index-Schwergewichten SAP und Telekom sowie eine anhaltend schlechte Grundstimmung bei den Anlegern haben nach Händlerangaben die deutschen Aktienmärkte am Montag auf Talfahrt geschickt. Der Deutsche Aktienindex (Dax) stürzte am frühen Nachmittag auf seinen tiefsten Stand seit rund zwei Jahren, und das Auswahlbarometer Nemax-50 des Neuen Marktes fiel abermals auf ein Rekordtief. »Es ziehen dunkle Wolken über den Markt auf«, sagte ein Händler mit Blick auf Spekulationen über eine Gewinnwarung des Softwareherstellers SAP, die auch die anderen Technologiewerte unter Druck setzte. Zusätzlich belastet wurde der Dax von einem erneutem Einbruch der T-Aktie. Allerdings waren die Umsätze auf Grund der wegen eines Feiertags geschlossenen US-Börsen gering.

Es gibt keine Börsenlieblinge mehr

Der Dax erholte sich allerdings am späten Nachmittag von seinen Tagestiefständen und verbuchte einen Abschlag von 1,3 Prozent auf 5.120 Zählern, nachdem er zuvor bis auf 5.062 Punkte und damit auf den tiefsten Stand seit August 1999 gefallen war. Der Nemax-50 sackte auf unter 990 Zähler und damit erneut auf einen historischen Tiefststand ab. Damit büßte das Barometer im Vergleich zu seinem Höchststand im vergangenen Frühjahr rund 90 Prozent ein. Händler begründeten die Kursverluste am Wachstumssegment mit der nach wie vor schlechten Stimmung der Anleger und einer anhaltenden Zurückhaltung vor allem bei institutionellen Investoren. »Es sind die einstigen Lieblinge des Neuen Marktes, die jetzt massiv unter Druck geraten«, sagte ein Händler mit Blick auf massive Verluste bei einzelnen Werten.

Dax unter schwerem Gerüchtebeschuss

Im Mittelpunkt beim Dax standen die Titel von SAP, die um fast sechs Prozent auf 140,54 Euro abstürzten. Am Markt kursierten Gerüchte über eine angeblich bevorstehende Gewinnwarnung von SAP. Andere Börsianer sagten zudem, dass es Spekulationen gibt, wonach die Gesellschaft die Platzierung einer Wandelanleihe plant. Ein SAP-Sprecher lehnte auf Anfrage eine Stellungnahme zu beiden Gerüchten ab. Er verwies darauf, dass sein Unternehmen solche Spekulationen grundsätzlich nicht kommentiert.

Telekom wieder unter Druck

Ebenfalls im Blick der Anleger standen die Aktien der Deutschen Telekom, die mit 16,06 Euro auf den tiefsten Stand seit Januar 1998 fielen, nachdem am Samstag eine Haltefrist für ehemalige Aktionäre der hauptsächlich per Aktientausch übernommenen US-Mobilfunkfirma VoiceStream abgelaufen war. Händler sagten, dass ein massiver Rückfluss von T-Aktien seitens ehemaliger VoiceStream-Aktionäre nicht erkennbar ist:. Andere Börsianer sagten zudem, dass die ab Ende September erfolgende Quartalsanpassung der Dow Jones Stoxx und Euro Stoxx-50-Indizes den Wert belastet. In diesem Zusammenhang richten Fondsmanager ihre Portfolios neu aus. Die T-Aktie erholte sich am späten Nachmittag von ihren Tagestiefständen und verbuchte ein Minus von 1,8 Prozent auf 16,64 Euro.

BMW leidet unter Rückrufaktion

Die Aktien von BMW gaben um 0,7 Prozent auf 35,10 Euro nach. Der Autobauer hatte gegen Mittag mitgeteilt, in Großbritannien alle neuen »Minis« (rund 7.000 Stück) wegen Brandgefahr beim Betanken zurückgerufen zu haben. Die Kosten der Rückrufaktion für BMW bezifferte ein Sprecher des Unternehmens auf rund eine Million DM.

Bayer-Aktie holt auf

Die Gewinnerliste führten die Aktien von Bayer an, die um 3,6 Prozent auf 36,61 Euro anzogen. Händler sagten, die Titel würden von dem bevorstehenden Abschluss der Übernahme der Agrarchemiesparte von Aventis, CropScience, profitieren. Zudem würden Deckungskäufe von zuvor getätigten Leerverkäufen von Hedge-Fonds den Aktien Auftrieb verleihen. Er verwies darauf, dass zwischen den Marken von 37 bis 42 Euro keine charttechnischen Widerstände vorhanden sind und die Aktien auf Grund der massiven Verlusten nach dem Debakel um den Cholesterin-Senker Lipobay ein enormes Aufholpotenzial haben.

Nemax auf Allzeit-Tief

Am Neuen Markt fielen die Aktien von Kinowelt, die Ende September nach einem Beschluss der Deutschen Börse aus dem Nemax50 ausscheiden werden, um zeitweise mehr als 32 Prozent auf ein Rekordtief von 0,63 Euro. Das Unternehmen hatte am Freitagabend einen höher als von Analysten erwarteten Verlust mitgeteilt. Nach einer Umsatzkorrektur gaben auch die Titel des Laserherstellers Lambda Physik in der Spitze um mehr als 30 Prozent auf ein Jahrestief von 16,55 Euro nach.

Der MDax für das Segment der Nebenwerte an der deutschen Börse fiel um 0,6 Prozent auf 4476 Punkte.


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