HOME

Wohltat oder PR?: 45-Milliarden-Dollar-Spende: Was Mark Zuckerberg mit dem Geld wirklich vorhat

Zur Geburt seiner Tochter hat Mark Zuckerberg angekündigt, 99 Prozent seiner Facebook-Anteile für einen guten Zweck zu versilbern. Ist der Mann ein Super-Wohltäter? Oder ist das alles nur eine riesige PR-Show?

Mark Zuckerberg und seine Frau Priscilla Chan bei einem Dinner im Weißen Haus im September

Mark Zuckerberg und seine Frau Priscilla Chan bei einem Dinner im Weißen Haus im September

Mark Zuckerberg hat es mal wieder allen gezeigt. Zur Geburt seiner Tochter Max begnügte sich der Facebook-Chef nicht damit, ein paar Eltern-Fotos und glückliche Worte zu posten. Nein, er nutzte das Ereignis, um seiner neugeborenen Tochter einen langen öffentlichen Brief auf Facebook zu schreiben, der ein gigantisches Versprechen enthält: 99 Prozent seiner Facebook-Anteile will der Firmengründer verkaufen, um mit dem Geld die Welt für die kommenden Generationen besser zu machen.

"Max, wir lieben dich und fühlen eine große Verantwortung, die Welt für dich und alle Kinder in einem besseren Zustand zu hinterlassen", schreibt Zuckerberg. Nach aktuellem Stand sind die Anteile etwa 45 Milliarden Dollar wert (rund 42,5 Milliarden Euro).


Aber was soll mit dem Geld passieren? Und ist Mark Zuckerberg tatsächlich der großzügige Wohltäter, als der er sich gibt? Oder ist das Versprechen am Ende vor allem eine PR-Nummer?

Priscilla and I are so happy to welcome our daughter Max into this world!For her birth, we wrote a letter to her about...

Posted by Mark Zuckerberg on Dienstag, 1. Dezember 2015

Wann spendet Zuckerberg das Geld?

Der Facebook-Gründer verkauft seine Aktien nicht auf einen Schlag. Das würde den Börsenkurs auch in ziemliche Turbulenzen stürzen, denn Zuckerberg besitzt immerhin noch 15 Prozent der Anteile. Das Unternehmen stellte in einer Mitteilung an die Börsenaufsicht SEC klar, dass Zuckerberg in den kommenden drei Jahren Aktien im Wert von maximal einer Milliarde Dollar pro Jahr verkaufen werde. Sollte er dieses Tempo beibehalten, würde es also etwa 45 Jahre dauern, bis Zuckerberg sein Aktien-Depot annähernd aufgelöst hat.

Wofür ist das Geld bestimmt?

Dazu äußerte sich Zuckerberg in der öffentlichen Ankündigung noch sehr vage. Der Schwerpunkt soll aber in den Bereichen Bildung und Gesundheit liegen. Der Fokus liege auf den Themen "personalisiertes Lernen, Heilen von Krankheiten, dem Verbinden von Menschen und dem Errichten starker Communities", schreibt Zuckerberg in seinem Brief. Das ist alles noch ziemlich unbestimmt, klar ist aber bereits der Rahmen, in dem das Geld fließen soll. Zuckerberg gründet gemeinsam mit seiner Frau Priscilla Chan eine eigene Stiftung, die "Chan Zuckerberg Initiative", die das Geld verwalten soll.

Ist das denn überhaupt eine Spende oder wird hier nur Vermögen umgeschichtet?

In der neuen Stiftung  wird Mark Zuckerberg (zusammen mit seiner Frau) sehr wahrscheinlich selbst das Sagen haben. Er behält also de facto die volle Kontrolle über das Geld, das er aus seinen Aktienverkäufen erlöst. Die Überweisungen auf das Stiftungskonto können daher noch nicht als Spenden gelten, zumal es sich nicht um eine gemeinnützige Stiftung, wie wir sie in Deutschland kennen, handeln dürfte.

Entscheidend ist nun, was die Stiftung mit dem Geld macht. Spendet sie es an Organisationen wie "Ärzte ohne Grenzen"? Oder treibt sie eigene Projekte voran, deren Ziele vielleicht nicht nur gemeinnützig sind? Es ist zu erwarten, dass Zuckerberg das Geld nicht einfach in fremde Hände gibt, sondern eine eigene Agenda fährt. Wie wohltätig das alles ist, wird sich daher erst noch zeigen müssen. Fest steht, dass Zuckerberg mit dem Stiftungsmodell ordentlich Steuern sparen kann.

Ist Zuckerberg bislang schon als Wohltäter aufgefallen?

Zuckerberg alleine als Steuervermeider zu brandmarken, wäre aber doch etwas ungerecht. Zum einen ist das Stiftungsmodell unter reichen Gönnern in den USA durchaus üblich. Zum anderen hat sich Zuckerberg auch in der Vergangenheit schon für gute Zwecke engagiert: Das Ehepaar Zuckerberg Chan hat bislang 1,6 Milliarden Dollar an wohltätige Organisationen gespendet, darunter mehrere Bildungs- und Gesundheitsprojekte. So gingen etwa 100 Millionen Dollar an das Newark Public School System, 25 Millionen gaben die Zuckerbergs zur Bekämpfung von Ebola und 120 Millionen steckten sie in Bildungsprojekte an der US-Westküste. Erst kürzlich gründeten sie eine Schule in eine sozial benachteiligten Gegend des Silicon Valley und investierten Geld in das San Francisco General Hospital, in dem Priscilla Chan als Kinderärztin gearbeitet hat. Kürzlich unterzeichnete Zuckerberg auch "The Giving Pledge" von Bill Gates und Warren Buffett, in der sich Milliardäre verpflichten, den Großteil ihres Vermögens zu spenden.

Und was wird aus Zuckerbergs Tochter Max?

Die wird mit Sicherheit nicht am Hungertuch nagen, weil Papa alles Geld weggegeben hat. Allein die verbliebenen Facebook-Aktien sind immer noch 450 Millionen Dollar wert. Neben seinen Firmen-Anteilen besitzt Zuckerberg unter anderem mehrere Grundstücke in Palo Alto und auf Hawaii.