Medien Bertelsmann soll an die Börse


Europas größter Medienkonzern Bertelsmann steht vor der einschneidensten Zäsur seiner Firmengeschichte: Mehr als 170 Jahre nach der Gründung wird das Familienunternehmen wohl im kommenden Jahr an die Börse gehen.

Dieser Schritt wird vom belgischen Minderheitsaktionär, der Groupe Bruxelles Lambert (GBL) erzwungen, der 25,1 Prozent der Anteile am Gütersloher Medienriesen hält. Der belgische Finanzinvestor hatte die Bertelsmann-Anteile 2001 im Tausch gegen seinen 30prozentigen Anteil an Europas größtem Fernsehkonzern RTL Group erhalten und sich das Recht einräumen lassen, das Aktienpaket nach einer Sperrfrist an die Börse zu bringen. Diese läuft im Mai 2006 ab.

"Sind gut vorbereitet"

Bertelsmann-Chef Gunter Thielen reagierte gelassen auf die Zäsur. "Wir sind vorbereitet", sagte er. Der Konzern habe in den vergangenen Jahren seine Hausaufgaben gemacht. Die Steuerung des Unternehmens erfolge längst auf Grund international anerkannter Steuerungsgrößen. Der Konzernabschluss werde nach den International Financial Reporting Standards (IFRS) erstellt. "Bertelsmann ist ein spannendes Unternehmen, das vor einer guten Zukunft steht", sagte der Manager.

GBL-Chef Thierry de Rudder sagte am Freitag der Wirtschaftsnachrichtenagentur Dow Jones, Bertelsmann habe dem Börsengang bereits zugestimmt. Er werde im Frühjahr 2007 stattfinden. Ein Bertelsmann-IPO könnte zu einem der größten in der Branche werden. Experten schätzen den Wert des Medienkonzerns auf mindestens 20 Milliarden Euro. Das Unternehmen wäre damit ein potenzieller DAX-Kandidat.

Gründerfamilie und Stiftung behalten Kontrolle

Die Bertelsmann AG ist derzeit noch eine nicht börsennotierte Aktiengesellschaft. Die Aktienmehrheit von 57,6 Prozent ist im Besitz der Bertelsmann Stiftung. Weitere 17,3 Prozent hält die Gründerfamilie Mohn. Die Groupe Bruxelles Lambert, die mehrheitlich im Besitz der Unternehmer Albert Frère und Paul Desmarais ist, hält 25,1 Prozent der Anteile. Doch sind davon davon 0,1 Prozent stimmrechtslos, so dass die Minderheitsaktionäre über keine Sperrminorität verfügen.

Der Börsengang des Familienunternehmens war zwar bereits seit geraumer Zeit diskutiert worden, doch hatte Konzernchef Thielen noch vor wenigen Wochen vor Führungskräften signalisiert, in absehbarer Zeit sei damit nicht zu rechen. Letztlich ist der Börsengang eine Spätfolge der Ära Thomas Middelhoff beim Gütersloher Konzern. Der heutige KarstadtQuelle-Chef hatte Bertelsmann damals durch den Milliardendeal mit GBL die Mehrheit an Europas größtem Fernsehsender RTL Group gesichert. Die Fernsehsparte wurde danach schnell zum wichtigsten Ergebnisbringer des Konzerns.

Gründerfamilie und Stiftung behalten Kontrolle

Auch nach dem Börsengang will aber die Familie Mohn das Sagen beim Gütersloher Medienriesen behalten. Ein Bertelsmann-Sprecher betonte, Familie und Stiftung würden keine weiteren Anteile verkaufen, so dass ihr Stimmanteil von 75 Prozent nicht verwässert werde. Die Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft, in der die Stimmrechte der Familie und der Stiftung gebündelt sind, wir damit auch weiterhin die volle unternehmerische Kontrolle über den Medienriesen behalten. Bertelsmann hatte 2004 bei einem Umsatz von 17 Milliarden Euro einen Jahresüberschuss von 1,2 Milliarden Euro erzielt.

mit Reuters, AP AP

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