Medien Das guckst du!


Verleger Heinz Bauer führt die Deutschen durchs Fernsehprogramm. Nun will er selbst groß ins TV-Geschäft einsteigen. Konkurrenten fürchten den Missbrauch der neuen Meinungsmacht.

Wer die Fußballsendung "ran" bei Sat 1 guckt oder die "Harald Schmidt Show", soll gleich wissen, wem er das Programm verdankt: "Die folgende Sendung wird Ihnen präsentiert von "TV Spielfilm"." Die Fernsehzeitschrift sponsert die Sendungen und wird dafür erwähnt - eine clevere Form der Werbung. Nur: Wie lange noch? Das fragt sich Michael Kleinjohann, Verlagsleiter des von der Mediengruppe Milchstraße herausgegebenen TV-Blatts: "Man darf davon ausgehen, dass Zeitschriften aus dem Bauer-Verlag bald ein besseres Entree besitzen."

Seine Sorge

gilt dem bevorstehenden Coup des Hamburger Verlegers Heinz Bauer. Der Blätter-König ("Bravo", "Neue Revue", "Coupé") steht kurz davor, zum mächtigsten TV-Macher der Republik aufzusteigen. Bauer will große Teile der Pleite-Firma von Leo Kirch übernehmen, allen voran Pro Sieben, Sat 1 und Kabel 1. Gelingt der Deal, wird Deutschlands größte Sendergruppe von einem Mann beherrscht, der gleichzeitig den Markt für Programmzeitschriften dominiert.

Sieben Fernsehhefte

bringt Bauer heraus, etwa "TV Hören und Sehen" und "TV Movie". Mehr als 20 Millionen Leser erreichen die Blätter zusammen pro Ausgabe. Ideal, so fürchten Konkurrenten, um im redaktionellen Teil die eigenen Sender hochzujubeln oder großflächig Werbung zu schalten. Dirk Manthey, Verleger der Mediengruppe Milchstraße, bangt zudem ums Sponsoring-Geschäft: "Wenn Bauer wirklich versucht, "seine" Sender für seine Printprodukte zu missbrauchen, dann wird es eine Gegenbewegung bei ARD und ZDF geben." Manthey hofft, dann verstärkt bei den Öffentlich-Rechtlichen zum Zuge zu kommen. Auch Bertelsmann (RTL, Vox) beäugt die "starke Marktposition von Bauer bei den TV-Zeitschriften", so Konzernchef Gunter Thielen.

Die Sorgen sind nicht unbegründet. 79 Prozent der Zuschauer holen sich ihre Informationen über das Programm aus TV-Blättern. An Top-Produktionen wie "Napoleon" kommen die zwar nicht vorbei - was sie aus der Fülle an Sendungen aber sonst hervorheben und warum, kann kaum jemand kontrollieren. Wie subtil der Einfluss auf die Redaktionen schon heute funktioniert, um in den Magazinen den wichtigen "Tagestipp" zu belegen, beschreibt ein Insider: Zunächst jubelt die Zeitschrift eine mittelmäßige Fernsehkomödie als "Comedy des Jahres" hoch. Damit wirbt der Sender dann wiederum: "Von Deutschlands großer TV-Zeitschrift empfohlen." Lob du mich, dann nenn ich dich - hinter den Kulissen verabredet. Noch leichter fallen solche Kooperationen, wenn Sender und Zeitschriften in einer Hand liegen. Bauer-Sprecher Andreas Fritzenkötter bestreitet das: "Solche Synergien funktionieren nie." Er droht vorsorglich: Künftig werde auch Bauer darauf achten, ob die Zeitschriften der Konkurrenz, etwa von Bertelsmann, allzu freundlich über deren Sender berichten.

Bauer will

nach stern-Informationen zusammen mit der Münchner Hypo-Vereinsbank aus der Kirch-Insolvenzmasse 36 Prozent am Kapital der Pro-Sieben-Gruppe übernehmen - für rund 700 Millionen Euro. Daran gekoppelt erwirbt das Konsortium die Mehrheit der Stimmrechte, so der Plan. Bauer bekommt also das Sagen bei den Sendern. Den Rechtehandel und Kirchs Filmbibliothek wollen sich Bauer und die Hypo-Vereinsbank mit den Gläubigerbanken teilen. An das Bauer-Konsortium und die Senderfamilie sollen zusammen 52 Prozent fallen. Dafür sind mindestens 500 Millionen Euro fällig, die Kirchs Insolvenz-Geschäftsführer schon den Hollywood-Studios zugesichert haben. Den Gläubigerbanken bleiben 48 Prozent.

Wenn alles so

kommt. Noch will das der US-Milliardär Haim Saban verhindern, der ebenfalls gern bei Pro Sieben einsteigen würde. Und auch das Kartellamt muss die neue Macht des Hamburger Zeitschriftenverlegers erst noch abnicken.

Johannes Röhrig print

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker