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MEDIEN: Deutscher Auslandssender Channel D meldet Insolvenz an

Ein Jahr nach Sendestart steht der private deutsche Auslandssender Channel D vor dem Ende. Die Gesellschafter des Pay-TV-Kanals meldeten freitags beim Amtsgericht Bremerhaven Insolvenz an.

Wegen der Krise im Medienbereich war es nicht gelungen, neue Investoren für das Projekt zu finden, erklärte Geschäftsführer Karl-Otto Saur. Channel D, das vorläufig eingeschränkt weiter betrieben wird, strahlte seit 1. September 2001 sein 24-Stunden-Programm über Satellit nach Nord- und Südamerika aus. Bei einer monatlichen Gebühr von 20 Dollar hatte der Sender rund 1.000 deutschsprachige Abonnenten vor allem in Nordamerika. Gezeigt wurden Filme aus den Archiven von ARD und ZDF sowie Produktionen von Privatsendern - vom »Tatort« bis zum »Bullen von Tölz«.

Generelle Pay-TV-Krise

Die Lage für Channel D wurde im Zuge des Zusammenbruchs der Kirch-Gruppe und der allgemeinen Krise des Bezahlfernsehens schwieriger, erklärte Saur. Zahlreiche Medienunternehmen hätten ihre Gespräche mit dem Auslandskanal abgebrochen. Außerdem wurden die Marketing-Aufwendungen in Amerika unterschätzt. Ursprünglich wollte der Sender jeden Monat rund 1.000 Abonnenten gewinnen. Das Programm war andererseits bei den Abonnenten so erfolgreich, dass die meisten länger als sechs Stunden das Programm anschauten. Mit der Folge, dass sich die Bezieher über die vorgesehenen Wiederholungen beschwerten, so Saur weiter.

Weiter eingeschränkter Betrieb

Nach Saurs Worten investierten die Gesellschafter rund 1,3 Millionen Euro in den Sender. Auch TV-Entertainer Harald Schmidt war an der Finanzierung beteiligt. Wie Saur weiter erklärte, wird das Programm eingeschränkt fortgesetzt, um die »kleine Chance« für eine weitere Finanzierung zu bewahren.

'German-TV' macht weiter

Channel D stand in Konkurrenz zum öffentlich-rechtlichen German TV, das die Deutsche Welle zusammen mit ARD/ZDF vor wenigen Monaten ebenfalls per Satellit in den USA startete. Nach Angaben Saurs will man in Gesprächen klären, ob die Channel-D-Abonnenten von German TV übernommen werden können. Dessen Programmgeschäftsführer Wolfgang Krüger bedauerte das Ende der »bewundernswerten Initiative« von Channel D. German TV, das für einen monatlichen Bezugspreis von 15 Dollar bisher nur 1.900 Abonnenten hat, hat ebenfalls mit den »Widrigkeiten des amerikanischen Marktes« zu kämpfen, sagte Krüger. Man versucht jetzt, mit verstärktem Marketing die Zahl der Abonnenten zu steigern. Außerdem will German TV in das amerikanische Kabelnetz. In Kanada bewirbt man sich um eine Sendelizenz, so Krüger. German TV, das anders als Channel D vor allem auf Informationsprogramme setzt, hat von der Bundesregierung bis zum Jahr 2005 eine jährliche Anschubfinanzierung von jährlich rund 5 Millionen Euro erhalten.