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Milliarden-Deal: EU genehmigt Conti-Übernahme durch Schaeffler

Die EU-Kommission hat die Übernahme des Autozulieferers Continental durch den Rivalen Schaeffler genehmigt. Der Zusammenschluss bedeute keine erhebliche Behinderung des Wettbewerbs, so die Kommission. Schaeffler-Chef Jürgen Geißinger will den Deal jetzt schnell perfekt machen.

Die fränkische Schaeffler-Gruppe darf den Autozulieferer Continental für mehr als zehn Milliarden Euro übernehmen. Das entschied die EU-Kommission am Freitag in Brüssel nach einer vierwöchigen Wettbewerbsuntersuchung. Die freie Konkurrenz in der EU werde nicht gestört, erklärten die EU-Wettbewerbshüter. "Die Tätigkeiten der beiden Parteien überschneiden sich nicht." Die Unternehmen seien allerdings in einem geringen Maße verbunden. Schaeffler stelle Wälzlager her, die in Conti-Fahrzeugteilen verarbeitet werden. Der neue Verbund können jedoch Konkurrenten nicht beinträchtigen, da es mehrere große Hersteller von Wälzlagern gebe.

Die Börse feierte den Schritt, nachdem manche Anleger zuletzt gebangt hatten, dass die Finanzkrise dem Schaeffler-Angebot von 75 Euro je Aktie für Conti-Aktionäre nach starkem Kursverfall noch einen Strich durch die Rechnung machen könnte. Conti-Papiere sprangen in Frankfurt im Vergleich zum Schluss des elektronischen Xetra-Handels um 19,35 Prozent auf 44,35 Euro nach oben. "Da fließt bei manchen Anlegern jetzt der Schampus nach den Nervenzusammenbrüchen, die viele zwischendurch erlitten haben", kommentierte ein Händler die späte Kursentwicklung.

Schaeffler-Chef Jürgen Geißinger bekräftigte in einer Stellungnahme in Herzogenaurach, der Deal solle jetzt schnell vollzogen werden, voraussichtlich am 8. Januar. "Gerade die aktuell schwierige Marktsituation zeigt, wie richtig unsere Entscheidung ist, zwei international führende Automobilzulieferer zusammenzubringen", sagte Geißinger. "Angesichts der massiven Veränderungen unseres Umfelds ist es notwendig, die Stärken beider Unternehmen im Automotive-Bereich jetzt schnell zusammenzuführen und die Synergien aus neuen Produkten, Prozessen sowie im Einkauf zügig zu realisieren." Seine Vorgabe: "Unser Ziel ist, ganz vorne in der Weltspitze zu liegen."

Börsen und Wettbewerbsexperten hatten seit längerem mit dem grünen Licht der EU-Kommission gerechnet. Brüssel prüft große Zusammenschlüsse, wenn bestimmte Umsatzschwellen erreicht werden.

Zwischen Continental und der Schaeffler-Gruppe gibt es seit längerem Streit. Angeblich soll Conti-Aufsichtsratschef Hubertus von Grünberg aus dem Amt gedrängt werden. Beide Konzerne beschäftigten nach früheren Angaben zusammen weltweit rund 213.000 Menschen.

Die Schaeffler-Gruppe aus Herzogenaurach im Raum Nürnberg hatte sich im Sommer eine Übernahmeschlacht mit dem Conti-Management geliefert. Schaeffler handelte für die Übernahme milliardenschwere Kredite aus. Wegen der Finanzkrise wird an den Märkten darüber spekuliert, dass die Franken Finanzierungsprobleme bekommen könnten. Schaeffler wies dies bisher stets zurück.

DPA / DPA