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Die 99 Tage von Riad: Milliarden-Strafen oder Scharia - in diesem Luxushotel wurden die korrupten Saudi-Prinzen bearbeitet

99 Tage lang wurde die korrupte Saudi-Oberschicht gegrillt. Stilecht in einem Luxus-Hotel. Dann hatten die meisten sich freigekauft – zum Teil mit Milliardensummen. Nun wurde aus dem Edel-Knast wieder ein Hotel. 

Der pompöse Eingang des Ritz-Carlton Hotels in Riad.

Der pompöse Eingang des Ritz-Carlton Hotels in Riad.

In -Arabien fand in den letzten Monaten eine der größten Säuberungsaktionen der Geschichte statt. Die bis dahin vor jeder Verfolgung sichere herrschende Gruppe von Prinzen und Verwandten des Königshauses wurde wegen Korruption verfolgt. Eine zentrale Rolle spielte das Ritz-Carlton Hotel in Riad. Passend zum hohen Stand der Belangten wurden sie in dem Luxus-Hotel festgesetzt und inhaftiert. Verhöre, Urteile und Strafen wurden auch dort an Ort und Stelle durchgeführt – am Wochenende war die Säuberungswelle offiziell ausgestanden. Der Luxus-Knast hat wieder als Hotel eröffnet. 

Fast 400 Beschuldigte

Das "Wall Street Journal" hat das Hotel besucht und zeichnet die Geschichte der 99 Tage von Riad nach. Denn insgesamt 99 Tage dauerte der Pseudo-Prozess gegen 381 Personen. Ein Betroffener sagte dem Blatt, er sei am 4. November zu einer Audienz beim König gerufen worden, statt beim König landete er im .

Tatsächlich ging es dort wohl zu wie auf einem Basar. Der Saudi, der anonym bleiben wollte, sagte dem Blatt, dass die Ermittler gut informiert gewesen seien, und in quälend langen Sitzungen wurden mit ihm seine Vermögensverhältnisse durchgegangen. Man hat ihm stets gesagt, die Untersuchung könne sofort beendet werden, wenn er sich auf einen Deal einlasse. Einige der Inhaftierten wollten gegen so einen Deal angehen. Doch dann sollen die Ermittler begonnen haben, die Geschäftspartner der Beschuldigten zu den Verhören hinzuzuziehen. Personen, die auch im Strudel der Korruptions-Ermittlungen versunken wären. "Sie haben so etwas nicht kommen sehen", sagte der Saudi dem " ".

Schock zu Beginn

Einige inhaftierte Saudis sagten später öffentlich, dass sie gut behandelt wurden. In einem Video-Interview von Reuters zeigte Prinz al-Waleed eine Küche und sagte, dass die Behörden ihm erlaubt haben, vegane Mahlzeiten zu essen. "Ich trainiere, ich schwimme, ich dehne, ich laufe. Ich habe meine Diätnahrung. Es ist alles in Ordnung. Es ist wie zu Hause", sagte der Prinz. Doch zumindest am Beginn der 99 Tage wurden andere Saiten aufgezogen. Handy-Videos der Wachen zeigen, dass die Prinzen keineswegs in einer Suite schlafen durften. Sie mussten auf Matratzen und Decken in den Hallen des Hotels nächtigen. Zum Schock für die Superreichen kam die öffentliche Demütigung hinzu.

Die raue Behandlung zu Beginn beruhte auf einem professionellen Kalkül der Verhörspezialisten. So wurden den sakrosankten Prinzen unmissverständlich klar gemacht, dass ihr Status ihnen keinen Schutz mehr gewährt. Das größte Problem der 99 Tage der Verhöre sei gewesen, so das "Wall Street Journal", die richtige Summe festzusetzen. Häufig habe der Staat mehr verlangt, als die Beschuldigten aufbringen konnten. Prinz al-Waleed sollte ursprüngliche stolze 6 Milliarden Dollar zahlen.


Der erste Teil der Säuberung

Im Westen tut man sich schwer mit den Säuberungen. Niemand bezweifelt, dass die Betroffenen durch zu ihrem Vermögen gekommen sind. Allerdings haben diese Leute enge Verbindungen zur westlichen Geschäftswelt. Hauptproblem für die westlichen Partner: Zur Korruption gehören immer zwei Seiten. Nachdem Kronprinz Mohammed bin Salman die bestechlichen Prinzen aus dem Verkehr gezogen hat, fragen sie sich: Was passiert mit den Firmen, die die Prinzen bestochen haben? "Das Ganze verheißt nichts Gutes, wenn Sie ein potenzieller Investor im Land sind", urteilt Bruce Riedel, ein Mitarbeiter der Brookings Institution.

Saudi-Arabiens Generalstaatsanwalt, Sheikh Saud al-Mojeb, gab Ende Januar bekannt, dass die meisten der 381 Inhaftierten freigelassen wurden, nachdem die Behörden entweder keine ausreichenden Beweise für Korruption gefunden hatten oder ein finanzieller Vergleich gefunden wurde. Nur 65 Personen warten auf einen regulären Prozess.

Straffreiheit für die Elite, Scharia für das Volk

Bevor man zu viel Mitleid mit den korrupten Milliardären empfindet, sollte man an dies denken: Die bislang herrschende Saudi-Elite hatte keine Probleme damit, sich hemmungslos zu bereichern und über alle Gesetze zu stellen. Gleichzeitig wurde die normale Bevölkerung der strengsten islamischen Rechtsprechung unterworfen. Im Vergleich zum Schwert des Scharfrichters dürfte der Verlust von ergaunerten Vermögenswerten noch glimpflich sein.