Milliardenbetrug Madoffs Finanzchef steckte mit drin


Stets hatte Milliardenbetrüger Bernard Madoff beteuert, der größte Betrug der Finanzgeschichte ginge allein seine Kappe. Doch das Geständnis seines Finanzchefs offenbart nun: Auch das war eine Lüge. Hat der Fall eine noch größere Dimension?

Spektakuläres Geständnis im größten Betrugsfall der Finanzgeschichte rund um Mega-Schwindler Bernard Madoff: Der frühere Finanzchef des Ex-Brokers hat seine Beteiligung an den Betrügereien zugegeben. Und noch mehr Mitwisser sollen auffliegen. Eine weitere große Lüge des schon zu 150 Jahren Haft verurteilten Madoff ist damit geplatzt - und es stellt sich die Frage: Wer war noch am berühmt berüchtigten Schneeball-System Madoffs beteiligt.

"Es war alles erfunden", gestand der 52-jährige Frank DiPascali vor einem Bundesgericht in New York. Der Komplize bekannte sich in insgesamt zehn Anklagepunkten unter anderem der Verschwörung schuldig. Ihm drohen bis zu 125 Jahre Gefängnis. Er kann aber auf Strafmilderung hoffen, weil er den Ermittlern bei der Suche nach weiteren Mittätern hilft.

In Handschellen in Untersuchungshaft

Richter Richard Sullivan schickte DiPascali umgehend in Handschellen in Untersuchungshaft. Er lehnte einen Antrag auf Freilassung bis zum Urteilsspruch gegen eine Millionen-Kaution vorerst ab. DiPascali entschuldigte sich bei den Opfern und seiner Familie: "Es tut mir sehr, sehr, sehr leid." Als rechte Hand Madoffs verdiente der Komplize selbst viele Millionen Dollar.

Ex-Broker Madoff hatte stets betont, allein gehandelt zu haben. Nun wird mehr denn je über eine Beteiligung auch der Familie und weiterer Mitarbeiter spekuliert. Der 71-Jährige war Ende Juni zur Höchststrafe von 150 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Mit einem jahrelangen 65 Milliarden Dollar (46 Milliarden Euro) schweren Schneeballsystem hatte er weltweit Tausende Anleger geschädigt.

DiPascali bekannte sich auch zu Betrug, gefälschter Buchführung, Geldwäsche und anderen Verbrechen. Die Höchststrafen dafür erreichen jeweils bis zu 20 Jahre Gefängnis sowie Einzel-Geldstrafen von bis zu einer halben Million Dollar. Bei Madoff waren mehrere Maximalstrafen addiert worden. Das Urteil ist vorläufig für 15. Mai nächsten Jahres angesetzt. Dann soll DiPascalis Kooperation bewertet werden.

Ermittler hoffen nun auf die Namen weiterer Komplizen

Von dem Manager erwarten sich die Ermittler die Namen möglicher Komplizen. DiPascali sagte, er selbst und "andere Leute" wussten, dass es die behaupteten Aktiengeschäfte nicht gegeben habe. Madoff hatte die angeblichen Gewinne stets mit dem Geld neuer Opfer bezahlt.

Neben Madoff und DiPascali wird bislang noch der frühere externe Buchprüfer der Firma, David Friehling, von den Ermittlern belastet. Er bestreitet die Vorwürfe aber. Offen ist, wie viel Madoffs Familie von dem Verbrechen wusste - etwa seine Frau Ruth.

Madoffs zwei Söhne und sein Bruder Peter waren ebenfalls in dessen Firma im New Yorker Stadtteil Manhattan beschäftigt, wollen aber nichts geahnt haben. Die Söhne hatten im Dezember 2008 die Polizei verständigt, nachdem ihnen der Vater alles offenbart haben soll.

DiPascali gestand, er habe Madoff als rechte Hand seit rund zwei Jahrzehnten bei dem Betrug geholfen. "Es war falsch, und ich wusste, dass es falsch war." Er habe auch die US-Börsenaufsicht SEC belogen. Trotz klarer Hinweise hatte die Behörde den Betrug nicht aufgedeckt. Sie reichte eine eigene Zivilklage gegen DiPascali ein.

Sich selbst bezeichnete DiPascali als Hauptkontakt der Firma für Tausende Anleger. Der verheiratete Familienvater mit vier Kindern war insgesamt 33 Jahre lang für Madoff tätig. Die Firma wird derzeit zur Entschädigung der Opfer abgewickelt.

DPA DPA

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