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Nach der Lehman-Pleite: Staat haftet für Lehman-Kunden

Die Kunden der deutschen Lehman-Tochter werden mithilfe einer 6,7 Milliarden Euro schweren Staatsgarantie entschädigt. Bis Ende Januar sollen die Betroffenen ihr Geld erhalten.

Von Rolf Lebert

Das teilte der Bundesverband deutscher Banken (BdB) mit. Die Kunden der deutschen Lehman-Tochter werden mithilfe einer 6,7 Milliarden Euro schweren Staatsgarantie entschädigt. Bis Ende Januar sollen die Betroffenen ihr Geld erhalten, teilte der Bundesverband deutscher Banken (BdB) mit.

Zur Höhe der Gesamtentschädigung machte der BdB keine Angaben. In Finanzkreisen wird die Summe auf 6,5 Milliarden Euro geschätzt. Pro Kunde sollen nicht mehr als 285 Millionen Euro ausgeschüttet werden. Die US-Investmentbank war Mitte September zusammengebrochen.

Die am Donnerstag präsentierte Lösung unterstreicht, dass die Finanzbranche ohne den Staat zurzeit handlungsunfähig wäre. Ursprünglich war geplant, dass der vom BdB betriebene Einlagensicherungsfonds die Lehman-Kunden entschädigt. Das Volumen des Fonds reicht aber nicht aus, um alle Gläubiger zu bedienen. Eigentlich müssten die privaten Institute in solch einem Fall Geld nachschießen. Dazu scheinen sie ohne Staatshilfe derzeit aber nicht in der Lage

Auch die Bundesbank hilft

Konkret sieht der von der EU-Kommission bereits abgesegnete Plan wie folgt aus: Der Bankenverband nimmt über die Ausgabe einer Anleihe 6,7 Milliarden Euro ein. Garantiert wird der Bond vom staatlichen Rettungsfonds Soffin. Zeichnen werden die Anleihe allerdings nur die privaten Mitgliedsbanken - andere Investoren wie Fonds, Versicherungen, Sparkassen, Genossenschaftsinstitute oder Privatanleger bleiben außen vor.

Das Geld für den Erwerb der Anleihe dürfen sich die privaten Geldhäuser wiederum bei der Bundesbank besorgen - im Gegenzug hinterlegen sie die Bonds als Sicherheit. Über die Verzinsung der Anleihe und deren Laufzeit war nichts zu erfahren.

Entschädigt werden normale Einlagen und Sparbriefe. Da die deutsche Lehman-Dependance keine Privatkunden hatte, kommt die Lösung ausschließlich institutionellen Anlegern zugute - etwa Unternehmen oder Versicherungen, die bei Lehman ein Konto führten. Zu ihnen zählen unter anderem mehrere Krankenkassen und Teile der deutschen Rentenversicherung. Mit den vielen deutschen Anlegern, die ein von Lehman emittiertes - und nun wertloses - Zertifikat besitzen, hat der Fall nichts zu tun.

Hoffen auf Insolvenzverfahren

Die Finanzaufsicht BaFin hatte am Tag der Lehman-Pleite ein Geschäftsverbot über die deutsche Lehman-Tochter verhängt, um einen Abfluss von Vermögenswerten zu verhindern. Mitte November leitete die BaFin schließlich ein Insolvenzverfahren ein.

Zu der Frage, wie viel Geld momentan im Einlagensicherungsfonds liegt, wollte sich der Bankenverband nicht äußern. Das Finanzministerium hatte den Betrag im vergangenen Herbst auf rund 4,5 Milliarden Euro taxiert.

Nach Angaben des BdB werden die Entschädigungsgelder durch die Anleihe nur vorfinanziert. Sie sollen zurückfließen, sobald die Lehman-Vermögenswerte im Insolvenzverfahren versilbert worden sind.

FTD