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ÖPNV Studie zeigt: 55 Millionen Deutsche ohne ausreichenden Zugang zu öffentlichem Nahverkehr

Eine Berliner S-Bahn steht in einem Nahverkehrs-Bahnhof
Die Nahverkehrs-Analyse macht vor allem die unterschiedliche Lage zwischen Stadt und Land deutlich
© Christoph Soeder / DPA
Im Kampf gegen den Klimawandel stellt der öffentliche Nahverkehr ein wichtiges Standbein dar. Eine neue Studie zeigt jedoch, dass dieser in Deutschland noch lange nicht ausreichend ausgebaut ist.

Für die meisten Menschen in den Großstädten und Ballungsgebieten Deutschlands gibt es ein sehr vielfältiges Angebot, was die öffentlichen Fortbewegungsmittel betrifft. Am Stadtrand und in den ländlichen Regionen sieht das aber schon ganz anders aus. Eine Studie der Bahn-Tochter Ioki zeigt auf, wie ausbaufähig das Netz des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) in Deutschland ist.

Haltestellen und Bahnhöfe zu selten bedient

Die Studie zeigt, dass für die meisten Menschen die nächste Haltestelle fußläufig nicht weit entfernt ist. Das Problem ist aber das mangelhafte Bus- und Bahnangebot. Der Nahverkehr fährt nicht oft genug oder es gibt keine direkte Verbindung in die richtige Richtung. Demnach liegt für 90,3 Prozent der Bürger:innen eine Haltestelle oder ein Bahnhof innerhalb von 400 beziehungsweise 600 Metern Entfernung. Allerdings können nur 63 Prozent von ihrer Haltestelle aus tagsüber mindestens einmal pro Stunde in die eine oder die andere Richtung fahren.

Die Analyse macht zudem die unterschiedliche Lage zwischen Stadt und Land deutlich. Den 27 Millionen Menschen in Deutschland, die in der Stadt leben, steht demnach ein sehr gutes Angebot an öffentlichem Nahverkehr zur Verfügung. Die 55 Millionen Deutschen aber, die im Umland der Städte und auf dem Land wohnen, haben weitaus weniger Möglichkeiten, Bus und Bahn aktiv im Alltag zu nutzen. Denn von den Haltestellen auf dem Land würden weniger als die Hälfte stündlich oder häufiger bedient, so die Studie. In Großstädten hingegen haben rund 80 Prozent der Bürger:innen ein Verkehrsmittel in der Nähe, das mindestens im Stundentakt fährt.

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Ausbau der Nahverkehrs-Netze notwendig

Damit noch mehr Menschen bei ihren alltäglichen Wegen auf den öffentlichen Nahverkehr setzen können, müsse dieser also weiter ausgebaut werden. Um das, sowie eine bessere Vernetzung der Verkehrsträger untereinander, in Angriff zu nehmen, bittet der Deutsche Städte- und Gemeindebund um Unterstützung. "Der Bund ist hier gefordert", sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg zu Zeitungen der Funke Mediengruppe. Somit dürfe der Ausbau des Nahverkehrs nicht von den Finanzspielräumen der einzelnen Kommunen abhängen.

Neben den typischen Nahverkehrsmitteln Bus und Bahn erfreuen sich Sharing-Dienste vor allem in den Städten immer größerer Beliebtheit. In den ländlichen Gebieten fehlt es dafür schlichtweg an Angeboten. Denn mehr als 90 Prozent der Leihräder, E-Scooter und Sharing-Autos befinden sich in den Zentren der Großstädte. Auch Nahverkehrsangebote nach Bedarf seien ausbaufähig, so Frank Klingenhöfer, Chef der Bahn-Tochter DB Regio Bus. Der Wechsel zwischen den Verkehrsträgern müsse einfacher werden, um Schiene und Straße enger miteinander zu verbinden.

Quellen:  "Berliner Morgenpost", "Der Spiegel"


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