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ARD-Markencheck: Maggi, Wagner und Co: Das passiert, wenn man eine Woche nur Nestlé-Zeug futtert

Eine Woche lang ließ die ARD ihre Probanden nur Nestlé-Produkte essen. Aber ist das wirklich billiger als frisches Essen? Und wie geht es dem Körper nach dieser speziellen Kur? Der zweite Teil des Nestlé-Markenchecks liefert die Antworten.

Tüten und Dosen nehmen im Nestlé-Warenkorb viel Platz ein

Tüten und Dosen nehmen im Nestlé-Warenkorb viel Platz ein

Von Maggi-Fix über Wagner-Tiefkühlpizza bis zu Nespresso-Kaffekapseln – den Produkten des Schweizer Lebensmittelkonzerns Nestlé kann man beim Einkaufen kaum entkommen. Für die Teilnehmer des „Nestlé-Camps“ der ARD war es sogar gänzlich unmöglich. Sie mussten sich im Rahmen eines Experiments eine Woche nur von den industriellen Produkten des Konzerns ernähren. Dass das nicht wirklich empfehlenswert ist, zeigt der zweite Teil des Nestlé-Markenchecks (Montag, 20:15 Uhr).

Sechs typische Verbraucher hatte die ARD für ihren Nestlé-Check in einer abgeschiedenen Waldhütte abgeladen. Die Aufgabe: Sich eine Woche nur von Nestlé-Produkten ernähren – und dadurch Erkenntnisse über Geschmack, Preis und Bekömmlichkeit des Dosen- und Tütenessens zu gewinnen.

Frisch gekocht oder Fertiggericht – was ist billiger?

Um herauszufinden, ob es die Nestlé-Welt mit frischen Zutaten aufnehmen kann, fordern die Tester ihre Campbewohner zu drei Kochduellen auf: Chili con Carne, Schinkennudeln und Puten-Zucchini-Geschnetzeltes sollen zubereitet werden – jeweils einmal mit Nestlé-Produkten und einmal mit frischen Zutaten. Der Vergleich zeigt: Günstig ist das Industrieessen nicht. Obwohl in den frischen Schinkennudeln zehnmal so viel Fleisch enthalten ist wie im Maggi-Produkt, ist es unterm Strich günstiger als die Maggi-Variante. Ähnlich sieht es bei den anderen beiden Gerichten aus. In die Schinkennudel-Tüte streut Maggi übrigens gerade mal 0,7 Prozent Schinken, im Chili con Carne sind es 3,1 Prozent Fleisch. „Die Hauptleistung von Maggi ist eine Würzleistung“, sagt dazu der Maggi-Chef. „Wir sind keine Fleischverkäufer oder Schinkenverkäufer.“ 

Da die Campbewohner die frischen Gerichte ja nicht essen dürfen, muss eine lokale Fußballmannschaft zur Blindverkostung antreten. Ergebnis: Frisch gewinnt, außer wenn eine blonde Frau das Maggi-Essen anbietet, dann gibt es offenbar Sympathiepunkte von den Fußballern.

Beim Thema Preis darf auch eine kleine Nespresso-Episode nicht fehlen. Kapsel um Kapsel puhlen die Camper den Kaffee heraus und legen ihn auf die Waage, bis endlich der Kilopreis feststeht: rund 65 Euro. Nicht gerade günstig, aber schließlich muss Nestlé davon ja auch Werbefigur George Clooney bezahlen. In einem Fußgängerzonen-Blindtest schneiden allerdings die Rewe-Kapseln besser ab als die teuren Nespresso-Produkte.

Probleme mit Säuglingsmilch

Wer den Kapselhype sowieso schon bescheuert findet, wird sich über Nestlés neueste Idee erst recht aufregen: BabyNes sind Milchkapseln für die Allerkleinsten und sollen den Kapselwahnsinn auf die ganze Familie ausweiten. Die ARD nutzt diese neue Produktidee, um vorzuführen, welchen Schaden Milchpulver-Produkte von Nestlé-Tochterfirmen schon jetzt in Entwicklungsländern anrichten. Auf den Philippinen beispielsweise stillt nur etwa jede vierte Frau ihr Baby, viele greifen stattdessen auf die teuren Ersatzprodukte zurück. Das ist insofern heikel, weil die hygienischen Bedingungen vor Ort eine sichere Zubereitung der Milchfläschchen oft nicht zulassen.

Obwohl der sogenannte „Milchkodex“ eine aggressive Vermarktung von Babyprodukten in solchen Ländern eigentlich untersagt, schafft es der Konzern offenbar viele Mütter mit blendenden Werbeverspechen („Sie bekommen intelligente, begabte Kinder.“) zu überzeugen. Ein Mitarbeiter des Gesundheitsministeriums sagt dem ARD-Team, die Milchindustrie trage so zur hohen Kindersterblichkeit unter fünf Jahren bei. Eine Aktivistin spricht in dem Zusammenhang von „Babymilchdealern“.

Gesundheitscheck im Nestlé-Camp

Die Probleme der Nestlé-Camp-Bewohner in Deutschland sind verglichen damit eher gering. Aber auch bei ihnen hat schon eine Woche Nestlé pur Spuren hinterlassen. Im Tagesschnitt nahmen die Probanden 2757 Kalorien  und 11,7 Gramm Salz zu sich – das Doppelte der empfohlenen Menge. Teilnehmerin Mona nahm in Folge der unausgewogenen Ernährung 1,6 Kilogramm zu. Konrad dagegen speckte überraschenderweise 4,7 Kilo ab - er hat nach eigener Aussage wesentlich weniger gegessen als sonst, weil es ihm nicht geschmeckt hat. Und bei Melanie konnte ein Arzt erhöhte Blutfett- und Cholesterinwerte nachweisen. Für eine Dauer von 20 bis 30 Jahren, so der einleuchtende Rat des Arztes, sollte man die Nestlé-Kur lieber nicht praktizieren.

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