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Neue Zahlen vom Jobmarkt: Arbeitskräfte dringend gesucht

Das deutsche "Jobwunder" wird zum Problem: Im Osten fehlt dem Handwerk Personal, im Westen sucht die Industrie. Ob ausländische Fachkräfte helfen können?

Die Nachfrage nach Produkten "Made in Germany" steigt weltweit. Das wird für die Arbeitgeber in Deutschland langsam zum Problem: Denn um die Nachfrage zu befriedigen, brauchen sie neue Mitarbeiter. Und die sind rar gesät. So suchen die Unternehmen händeringend Personal. Die Zahl der offenen Stellen legte im zweiten Quartal um zehn Prozent zu, wie das Forschungsinstitut der Bundesagentur für Arbeit (IAB) am Donnerstag mitteilte. Allerdings, so schrieben die Forscher: "Der Anstieg betraf ausschließlich Westdeutschland, wo die Auftragszuwächse in der Industrie zu erhöhtem Einstellungsbedarf führten."

Doch auch in Ostdeutschland gibt es einen Mangel an Arbeitskraft - und zwar im Handwerk. Aufgrund dramatisch sinkender Schulabgängerzahlen können dort viele Lehrstellen nicht besetzt werden. Bei den Lehrstellenbörsen der Handwerksammern in ganz Deutschland gebe es noch 15.000 freie Ausbildungsplatzangebote, berichtet die "Bild"-Zeitung unter Berufung auf Zahlen des Zentralverbands des Deutschen Handwerks. In allen Berufen gebe es noch freie Plätze, sodass junge Leute eine große Auswahl hätten, sagte Verbandspräsident Otto Kentzler.

Bedarf bei großen und kleinen Unternehmen

In der Industrie suchen sowohl die großen Konzerne als auch kleinere Unternehmen Mitarbeiter. Vier von zehn offenen Stellen werden laut IAB von Firmen mit weniger als zehn Mitarbeitern angebtoen. Insgesamt sind derzeit 805.000 Stellen offen, davon 683.000 im Westen und 122.000 im Osten Deutschlands. Dazu kommen 172.000 weitere Arbeitsgelegenheiten wie etwa Ein-Euro-Jobs. Fast jeder dritte Arbeitsplatz ist den Angaben nach jedoch nicht sofort zu besetzen, sondern erst zu einem späteren Zeitpunkt. Viele Firmen seien weiterhin vorsichtig mit Neueinstellungen und beobachteten die weitere Entwicklung, relativierte IAB-Expertin Anja Kettner das "Jobwunder" etwas.

Wie die Angebotslücke zu stopfen ist, darüber hat sich kürzlich erst der Bundeswirtschaftsminister Gedanken gemacht. Rainer Brüderle will ausländische Fachkräfte mit Prämien anlocken. Die Idee hat derzeit keine Chance, die Debatte über hochqualifizierte Einwanderer ist aber in vollem Gange. So fordert der sächsische Wirtschaftsminister Sven Morlok eine Lockerung der Zuwanderungsregelungen. Derzeit seien die Hürden viel zu hoch und die Regeln viel zu kompliziert, sagte der FDP-Politiker den "Dresdner Neuesten Nachrichten". "Das schreckt eher ab." Er schlug unter anderem vor, die Mindestverdienstgrenze deutlich auf rund 30.000 Euro zu senken. Derzeit müssen ausländische Fachkräfte mindestens 66.000 Euro verdienen, um eine Arbeitserlaubnis zu erhalten.

So sieht es auch die Bundesagentur für Arbeit (BA). Deren Vorstandsmitglied Raimund Becker setzt sich für ebenfalls mehr Zuwanderung ein. "Wir dürfen nicht die Zuwanderung Hochqualifizierter in Konkurrenz zu den Arbeitslosen setzen", sagte er dem "Handelsblatt". Hoch qualifizierte Zuwanderer leisteten "einen wichtigen Beitrag für mehr Innovation und Wohlstand in unserem Land", sagte Becker. Im Zweifel müsse man über Änderungen der Zuwanderungsregeln nachdenken.

ben/Reuters/DPA / DPA / Reuters