Norbert Fackelmann Essstäbchen für China


Wer als Franke den Chinesen Essstäbchen verkaufen kann, dem muss es doch gut gehen - oder? Der Chef der Fackelmann-Gruppe schmunzelt, seine Firma ist auf Expansionskurs.

Wer als Franke den Chinesen Essstäbchen verkaufen kann, dem muss es doch gut gehen - oder? Norbert Fackelmann schmunzelt. "Zufrieden kann man nie sein, aber zum Überleben reicht es ganz gut", sagt der Chef des Familienunternehmens aus Hersbruck bei Nürnberg. Aus kleinsten Anfängen entstanden, hat sich der Hersteller von Haushaltswaren und Badmöbeln im Laufe der Jahrzehnte eine internationale Marktposition erkämpft. In diesem Jahr soll erstmals die Umsatzmarke von 200 Millionen Euro überschritten werden. Dies ist aber nur möglich, weil ein großer Teil der Produktion mittlerweile im Ausland angesiedelt ist.

Produktpalette von 3.500 Artikeln

Irgendein Fackelmann-Produkt ist in vielen Haushalten vorhanden - kein Wunder, umfasst die Palette doch 3.500 einzelne Artikel. Darunter sind Klassiker wie Korkenzieher oder Zahnstocher, aber es gibt auch solch spezielle Werkzeuge wie den Nussnougat-Creme-Streicher, den Apfelentkerner, den Teebrühlöffel oder den Gläserauskratzer, mit dem man Joghurt- oder Marmeladegläser restlos leeren kann.

Die Hälfte des Umsatzes wird mittlerweile im Ausland erzielt, und der Anteil soll weiter steigen. Besonders gut läuft das Geschäft in Frankreich und Polen. In Osteuropa hat die Hersbrucker Firma in den letzten Jahren stark expandiert. Die jüngsten Niederlassungen wurden in Kroatien, Rumänien und Russland gegründet.

Zahnstocher kommen nicht aus Deutschland

Die aktuelle Diskussion um die Abwanderung von Jobs ins billigere Ausland verfolgt Norbert Fackelmann mit Verwunderung. "Das gibt es doch schon seit Jahren", sagt er. Bereits 1987 waren die Franken daran gegangen, eine Fertigung in China aufzubauen - wo auch die Essstäbchen hergestellt werden. Auch in Italien und Bulgarien wird produziert. "Zahnstocher in Deutschland zu fertigen, das ist einfach undenkbar", sagt der Unternehmer. "Um stetig zu wachsen, müssen wir alle Möglichkeiten weltweit nutzen."

Dennoch ist er nach eigenen Worten bemüht, so viele Arbeitsplätze wie möglich hier zu halten. Von 1.500 Beschäftigten arbeiten rund 450 am Stammsitz in Hersbruck. Erst im vergangenen Jahr wurde der Firmensitz durch den Bau eines Hochregallagers gestärkt. "Unser Standort bleibt Hersbruck", bekräftigt Fackelmann. "Hier wird ausgebaut, wo immer es geht."

Firma in Familienbesitz

Schließlich gilt es eine Tradition zu bewahren. 1948 hatte Sebastian Fackelmann mit der Gründung einer Handelsvertretung für Eisen- und Haushaltswaren den Grundstein für die Firma gelegt. "Mein Vater ist noch mit dem Volkswagen durch Franken gefahren", erinnert sich Norbert Fackelmann. 1958 nahm Sebastian Fackelmann dann Herstellung und Vertrieb in die eigenen Hände. Die ersten Haushaltsartikel wurden aus Holz gefertigt, ehe das Unternehmen mit der Umstellung auf Kunststoff und einer Sortimentsausweitung rasch expandierte.

Stephan Maurer, dpa DPA

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