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Nutri-Score: Gute Pizza, böse Pizza: So entlarvt die Nährwertampel ungesunde Lebensmittel

Gesund oder ungesund? Statt komplizierter Nährwerttabellen könnte ein simples Ampelsystem für mehr Klarheit beim Einkauf sorgen. Überraschungen inklusive - oder hätten Sie diese Produkte richtig eingeordnet?

Corny Free hat kaum Zucker und gesättigte Fette, dafür viele Proteine und Ballaststoffe und verdient sich so ein grünes "B". Corny Milch dagegen enthält laut Foodwatch mehr Zucker und Fett als eine Schoko-Sahne-Torte. Der Nutri-Score würde dies auf den ersten Blick sichtbar machen.

Corny Free hat kaum Zucker und gesättigte Fette, dafür viele Proteine und Ballaststoffe und verdient sich so ein grünes "B". Corny Milch dagegen enthält laut Foodwatch mehr Zucker und Fett als eine Schoko-Sahne-Torte. Der Nutri-Score würde dies auf den ersten Blick sichtbar machen.

Die Lebensmittelkonzerne sind Meister der optischen Täuschung. Auf den Schaubildern ihrer Verpackungen präsentieren sie ihre Produkte im besten Licht. Wer die genauen Inhaltsstoffe erfahren will, muss ins Kleingedruckte schauen. Doch mal ehrlich: Wer liest schon die Nährwerttabellen auf der Rückseite der Verpackungen - und wer versteht sie wirklich?

Verbraucherschützer propagieren daher schon seit Längerem eine wesentlich einfachere Lösung. Statt Zahlenkolonnen im Miniaturformat soll ein farbiges Ampelsystem auf der Verpackung anzeigen, ob ein Produkt tendenziell gesund oder eher ungesund ist. 

Nutri-Score warnt vor Zucker, Salz und Fett

In Frankreich zeichnen zahlreiche Hersteller ihre Produkte bereits mit dem sogenannten Nutri-Score aus, einer fünfstufigen Ampel mit einer Skala von von tiefgrün bis dunkelrot. Viel Zucker, Salz und gesättigte Fettsäuren lassen die Ampel in den roten Bereich ausschlagen. Obst und Gemüse, aber auch Ballaststoffe und Proteine sorgen für einen grünen Score.

Auch hierzulande haben mit Danone und Iglo die ersten namhaften Hersteller die Ampel eingeführt. Auf freiwilliger Basis - denn gegen eine gesetzliche Regelung sperrt sich bislang Ernährungsministerin Julia Klöckner (CDU).

Die Verbraucherorganisation Foodwatch, die sich seit Langem für eine Ampelkennzeichnung einsetzt, hat daher schon mal ein bisschen Vorarbeit geleistet und eine Reihe populärer Produkte aus dem Supermarkt in den Nutri-Score einsortiert. Die Beispiele zeigen eindrucksvoll den möglichen Nutzen des Transparenzsystems: Vergleichbare Produkte, die man auf den ersten Blick als ähnlich gesund angesehen hätte, erreichen ganz unterschiedliche Ampelwerte. Andere Artikel, die von ihrer Anmutung suggerieren, sie seien gesünder als die Konkurrenz, entlarvt die Ampel als ebenso ungesund (siehe Fotostrecke oben).

Mogelpackung des Monats: Die Mogel-Margarine: Wie Rama bei den Inhaltsstoffen trickst
Rama

Die Rama "Unser Meisterstück" ist 43 Prozent teurer als die klassische Rama. Hersteller Upfield, der dem Finanzinvestor KKR gehört, begründet den Preis mit der "hochwertigeren Rezeptur". Die Verbraucherzentrale Hamburg aber entlarvt die vermeintlich neue Sorte als eine angepasste Version der alten "Rama mit Buttermilch", die im vergangenen Jahr aus den Supermarktregalen verschwand. Gegenüber dieser ist das "Meisterstück" sogar um 61 Prozent teurer - obwohl die Inhaltsstoffe identisch sind. Hauptbestandteil mit 48 Prozent ist das umstrittene Palmfett, hochwertigeres Rapsöl ist nur zu 32 Prozent enthalten. Diese Zahlen rückte Upfield erst auf Nachfrage der VZ heraus, auf der Packung stehen sie nicht. Auch bei anderen Sorten verwendet Upfield vor allem das billige und ökologisch bedenkliche Palmöl: Bei Stiftung Warentest erhielten die Upfield-Marken Botterram und Rama mit Butter daher die mit Abstand schlechtesten Noten. (November 2019)


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