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Paketdienste: Zustellung mit Wunschtermin

Ist der Empfänger nicht da, fährt das Paket oft wieder zurück. Das ist ärgerlich für den Zusteller und den Kunden. Große Paketdienste wollen deshalb künftig einen interaktiven Benachrichtigungsservice anbieten.

Bewohner erster Etagen haben es schwer: Unzählige Päckchen und Pakete landen bei ihnen, wenn die Nachbarn nicht zu Hause sind. Dabei wächst die Zahl der Pakete in der Zustellung kontinuierlich, denn der Online-Handel floriert und die Menschen bestellen immer mehr zu sich nach Hause. Und immer stellt sich dabei eine Frage: Bin ich auch daheim, wenn der Postmann klingelt?

Ein erster guter Lösungsansatz ist die so genannte Sendungsverfolgung, die Unternehmen wie beispielsweise DHL, GLS oder Hermes über das Internet anbieten. Doch vielen Berufstätigen hilft das nicht wirklich weiter. Schließlich erfährt der Kunde bei diesem Online-Service erst am eigentlichen Tag der Lieferung, dass sein heißersehntes Paket bald ankommt. Ist er nicht da, hat er Pech gehabt. Deshalb lässt sich der eine oder andere mittlerweile sein Paket direkt auf die Arbeit schicken – oder zur Paketstation oder dem Paketshop.

Die Großen der Branche wollen künftig Kunden und Zustellern diesen Frust ersparen. Sie bieten einen neuen, interaktiven Service an: Der Paketempfänger wird vorab möglichst genau über den Zustelltermin informiert - und bekommt dabei noch die Möglichkeit, einen anderen Termin zu nennen.

Wunschtermin per SMS

Eine, die diesen Service nun anbieten will, ist die Deutsche Post. Der Kunde muss sich zuvor registrieren und bekommt dann die Nachricht mit dem Zustelltermin aufs Handy geschickt. Danach kann er den Zustelltermin noch um bis zu vier Tage nach hinten verschieben. Allerdings ist dieser Mehrwert nicht kostenlos. Der Empfänger zahlt 1,49 Euro plus anfallende Netzgebühren wie die Tageszeitung "Die Welt" berichtet.

Option für Versandhändler

Ähnlich soll das neue Angebot beim Zustelldienst DPD funktionieren. Wer etwas online bestellt, wird einen Tag vor der Zustellung per SMS oder E-Mail benachrichtigt. Der Kunde ist dann aufgefordert, den Termin zu bestätigen - er kann ihn aber auch auf einen von drei aufeinander folgenden Tagen verschieben.

Bezahlen soll diesen Service aber nicht wie bei der Post der Empfänger, sondern der Versender - in diesem Fall die Versandhändler, die Kunden von DPD sind. Der Haken: DPD bietet den Service den Versandhändlern nur optional als zusätzliche Leistung an. Nicht jeder Empfänger kann damit künftig auch eine SMS-Benachrichtigung erwarten.

Ab dem dritten Quartal, also frühestens ab Juli, will DPD die Empfänger noch exakter informieren - dann sollen sie ein Zustellfenster von zwei bis etwa sechs Stunden genannt bekommen. Die Größe des Zustellfensters hänge vor allem davon ab, ob sie in Ballungszentren oder eher ländlichen Gebieten wohnen. Bis 2012 wolle sein Unternehmen ein Zustellfenster von zwei Stunden garantieren, kündigte DPD-Chef Arnold Schroven am Montag an.

Hat der Empfänger den Termin dann doch einmal vergessen, kann er wie bisher online eine Neuzustellung beantragen. Dabei kann er einen Wunschtag und eine alternative Zustelladresse angeben oder das Paket in einen Paketshop liefern lassen - und das Ganze kostenlos.

Hermes-Kunden müssen sich gedulden

Laut "Welt" will auch Konkurrent GLS ab diesem Sommer seinen Kunden die Möglichkeit bieten, sich über das Internet einen Ort und den Tag der Zustellung aussuchen zu können.

Auf einen SMS-Dienst müssen allerdings Kunden von Hermes noch eine Weile warten. Denn dafür muss die Logistik komplett überarbeitet werden. Derzeit stellt das Unternehmen von Handscannern auf GPS um - und schafft so erst die Möglichkeit, den Kunden punktgenau zu informieren. "Wir werden uns des Themas SMS-Benachrichtigung aber sicherlich in den nächsten zwölf bis 24 Monaten widmen", versprach ein Hermes-Sprecher auf Anfrage von stern.de.

Doch dafür bietet Hermes bereits jetzt einen sehr umfassenden Service. Trifft der Fahrer den Empfänger nicht an, erhält er eine Benachrichtigungskarte. Telefonisch kann er den nächsten Zustelltermin vereinbaren - und sich seine Sendung auch von einem Paketshop zum anderen senden lassen. Kommt keine Reaktion vom Kunden, klingelt der Postmann von Hermes bald wieder - bis zu vier Mal.

tav