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Parmalat-Skandal: Staatsanwälte ermitteln gegen Prüfer von Deloitte & Touche

Wie groß war die Rolle, die die Bilanzprüfungsgesellschaft Deloitte & Touche beim Zusammenbruch von Parmalat spielte, wirklich? Die Justiz ermittelt gegen zwei Mitarbeiter der Wirtschaftsprüfer wegen betrügerischen Bankrotts.

Im Skandal um den insolventen italienischen Milch-Riesen Parmalat rücken jetzt die Wirtschaftsprüfer stärker ins Visier der Justiz. Die Staatsanwaltschaft von Parma ermittelt nun auch gegen zwei Mitarbeiter der Bilanzprüfungsgesellschaft Deloitte & Touche. Den beiden Italienern würde betrügerischer Bankrott vorgeworfen, berichtete die Zeitung "La Repubblica" am Montag. Die bisherigen Ermittlungen hätten ergeben, dass Deloitte beim Zusammenbruch des Lebensmittel-Konzerns eine wesentlich größere Rolle gespielt hat, als bisher angenommen, hieß es.

Bewußte Verheimlichung

So sollen Deloitte-Prüfer vor allem bei den Auslandsgeschäften von Parmalat zwar über die kritische Finanzlage des Unternehmens informiert gewesen sein, diese aber bewusst verheimlicht haben. In Brasilien soll die Gesellschaft sogar versucht haben, einen örtlichen Bilanzprüfungs-Partner, der Zweifel an den Parmalat-Zahlen geäußert hatte, von seinen Aufgaben zu entbinden.

Wie das "Wall Street Journal Europe" am Montag berichtete, habe ein Prüfer von Deloitte bereits vor drei Jahren seine Bedenken über finanzielle Transaktionen bei der auf den Cayman-Inseln beheimateten Finanztochter Bonlat geäußert. Seine Kollegen bei Deloitte in Italien hätten die Hinweise aber nicht weitergegeben. Deloitte & Touche war seit 1999 für die Wirtschaftsprüfung bei Parmalat zuständig.

Auch Prüfer von Grant Thornton beteiligt

Bereits im vergangenen Dezember waren zwei Mitarbeiter der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Grant Thornton inhaftiert worden. Ihnen wird im Zusammenhang mit der Parmalat-Pleite ebenfalls betrügerischer Bankrott vorgeworfen. Sie waren erst kürzlich aus dem Gefängnis entlassen und unter Hausarrest gestellt worden. Die Verschuldung des Konzerns unter der neuen Leitung von Enrico Bondi wurde zuletzt mit 14,8 Milliarden Euro beziffert.

DPA