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Peter Dussmann: Die Kultur des Erfolgs

Das Kulturkaufhaus "Dussmann" an der Berliner Friedrichstraße ist das Flaggschiff der Dussmann-Gruppe. Das große Geld wird aber mit cleveren Dienstleistungen gemacht: Von St. Petersburg bis in die Truppenküchen der Bundeswehr.

Wenn in der Hauptstadt von "Dussmann" die Rede ist, wissen die meisten Berliner sofort Bescheid. "Dussmann", das ist das Kaufhaus in der Friedrichstraße, 6.500 Quadratmeter voll mit Artikeln rund um den Begriff Kultur, wochentags bis 22.00 Uhr geöffnet. Weniger bekannt ist, dass der Umsatz des Kulturkaufhauses nur ein kleines Stück vom großen Kuchen der Dussmann-Gruppe ausmacht. Die Kontrolle hat seit mehr als 40 Jahren Eigentümer Peter Dussmann. "Ich bin Unternehmer geworden, weil ich nicht für einen anderen Armleuchter arbeiten wollte. Freiheit ist für mich das entscheidende Wort", sagte der in am 5. Oktober 1938 in Rottweil am Neckar geborene Dussmann der "Welt am Sonntag" anlässlich des 40-jährigen Firmenbestehens. So deutlich wie in der Wortwahl, so zielstrebig hat Dussmann sein Unternehmen zum nach eigenen Angaben größten privaten Multidienstleister der Welt ausgebaut.

Expansion nach St. Petersburg

Rund 50.000 Mitarbeiter hat das Unternehmen weltweit in Arbeit, 2003 wurde den Angaben zufolge ein Umsatz von mehr als einer Milliarde Euro erzielt. Die aktuellen Zahlen will Dussmann auf einer Pressekonferenz in Berlin vorstellen. Dabei soll dann auch Dussmanns neuester Streich zur Sprache kommen: Im russischen St. Petersburg hat das Unternehmen einen Vertrag zur Bewirtschaftung kommunaler Wohnungen abgeschlossen, bestätigte eine Unternehmenssprecherin einen Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel".

Mögliche Schwierigkeiten im Geschäft mit den Russen wird Dussmann vermutlich genau so schlitzohrig lösen, wie das Problem mit den deutschen Ladenöffnungszeiten. Montags bis samstags hat das Kulturkaufhaus von 10.00 bis 22.00 Uhr durchgehend geöffnet. Möglich wurde das nach Unternehmensangaben durch die Beförderung einiger Mitarbeiter zu leitenden Angestellten mit Prokura. Die dürften nämlich auch nach 20.00 Uhr verkaufen, heißt es weiter.

Wurzeln liegen in Heimpflege

Dussmann fing 1963 klein an. Mit nur zehn Mitarbeitern gründete er sein Unternehmen, das damals noch als Heimpflegedienst firmierte. Fünf Jahre später expandierte Dussmann ins Ausland und erhielt den ersten umfassenden Reinigungs- und Pflegevertrag für eine Klinik. Das Unternehmen wuchs kontinuierlich weiter und stützt sich heute auf die Geschäftsbereiche Pedus Service (u.a. Gebäudereinigung und Catering), Kursana (Seniorenbetreuung und -pflege), Pedus Office (Bürodienstleistungen) und das Kulturkaufhaus.

Anfang 2003 wechselte Dussmann aus dem Chefsessel im Vorstand an die Spitze des Aufsichtsrates. Er werde das Amt nach amerikanischem Vorbild als "aktiver Chairman" ausüben, sagte er damals. Neuer Vorstandsvorsitzender war zunächst Herbert Lütkestratkötter, dem nur knapp sechs Monate später Frank Wössner nachfolgte. Wössner konnte unlängst einen weiteren Dussmann-Coup verkünden: Das Unternehmen übernimmt im Rahmen eines Pilotprojektes den Betrieb von 14 ausgewählten Truppenküchen der Bundeswehr.

Stefan Lange/AP / AP
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