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Post am Pranger: Porto-Aufschlag für bunte Briefe

Wussten Sie, dass ein Standardbrief bei der Post nicht farbig sein darf? Ist aber so. Dumm nur, dass es lediglich in den AGBs steht und für die "abnormen" Umschläge ein saftiger Porto-Aufschlag fällig wird. Die Monopolkommission schimpft.

Kein Standard, weil rot: Die Post verlangt für farbige Briefe 90 statt 55 Cent Porto

Kein Standard, weil rot: Die Post verlangt für farbige Briefe 90 statt 55 Cent Porto

Wer seine Geburtstagseinladung zur Abwechslung mal in einem dunkelroten Umschlag verschickt, muss eventuell mit erbosten Reaktionen rechnen. Die Empfänger müssen nämlich Nachporto zahlen, wenn auf dem Brief eine 55-Cent-Marke klebt. Fällig sind dann 35 Cent plus 51 Cent "Einziehungsentgelt", wie die Post es nennt, zusammen also 86 Cent - und das nur, weil die Farbe des Umschlags die Sortiermaschinen der Deutschen Post AG verwirrt.

Standardbriefe, so erfährt man auf Nachfrage, haben weiß oder wenigstens von heller Farbe zu sein. Sonst seien die Anschriften nicht maschinenlesbar oder der bei der Sortierung aufgedruckte Strichcode sei nicht zu erkennen. Der Brief koste deshalb dann 90 Cent statt 55 Cent, erläutert ein Post-Sprecher. Diese Regelung gelte schon seit vielen Jahren, betont der Sprecher. Standardbriefe müssten maschinenlesbar sein, das stehe in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen.

Von Farbe ist in Preislisten keine Rede

Dumm nur, dass der nur gelegentlich Briefe schreibende Verbraucher nur zu leicht in die Gebührenfalle tappt. Wer der Bequemlichkeit halber im Internet abfragt, welche Briefmarke denn auf den Umschlag muss, erfährt nichts von einem höheren Preis für farbige Standardbriefe. Er erkennt aus der Preistabelle nur, dass der Brief maximal 20 Gramm schwer und höchstens 235 Millimeter lang und 125 Millimeter breit sein darf. Eine Anmerkung weist zudem darauf hin, dass die Länge des Briefes mindestens das 1,4-fache der Breite betragen muss. Von Farbe ist nicht die Rede.

In der aktuellen Broschüre "Leistungen und Preise", die in den Postfilialen oder auch per Internet erhältlich ist, findet sich ein etwas weitergehender Hinweis. In der Anmerkung zum Standardbrief auf Seite 14 heißt es, diese Briefe müssten "so beschaffen sein, dass sie sich maschinell verarbeiten lassen". Für nähere Informationen verweist die Preisliste auf die Broschüre "Automationsfähige Briefsendungen". Die kann man bestellen oder im Internet herunterladen, wenn man zuvor einige Fragen beantwortet und die eigene Adresse eingegeben hat. Doch auch aus dieser 50-seitigen Broschüre geht nicht hervor, dass dunkelfarbige Standardbriefe mehr kosten.

Jüngst kritisierte auch der Vorsitzende der Monopolkommission, Justus Haucap, den Portoaufschlag für dunkle Briefe. Das sei ein "Schritt in die falsche Richtung", sagte Haucap der "Bild"-Zeitung, und bekräftigte seine Kritik, dass das Briefporto in Deutschland ohnehin zu hoch sei.

Sortierung von Hand ist aufwendiger

Wenn Standardbriefe nicht maschinenlesbar seien, müssten sie von Hand sortiert werden. "Das ist aufwendiger", verteidigte der Post-Sprecher die Preisgestaltung des Ex-Monopolisten. "Den Preis von 55 Cent kann man nur realisieren, wenn Bedingungen wie Maße und Maschinenlesbarkeit erfüllt sind", betonte er. Privatkunden seien eigentlich nicht das Problem und in der Praxis auch weniger betroffen, schon weil sie durchschnittlich nicht viele Briefe schrieben, gab Bensien zu bedenken.

Die Regelung ziele primär auf Geschäftskunden ab: Wenn Firmenkunden ein Mailing mit Auflagen von 500.000 oder mehr Briefen verschickten, werde der Kostenunterschied zwischen automatisierter und händischer Bearbeitung durchaus interessant. "Das ist dann ein wesentlich höherer Aufwand", sagte der Sprecher.

Joachim Sondermann; APN / APN
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